Kulturstiftung des Bundes Staatliche Museen zu Berlin – Preußisher Kulturbesitz

Vermittlung im Museum zu stärken heißt auch, sie in allen öffentlichen Räumen des Museums sichtbarer zu machen. Das bedeutet für lab.Bode, die Ergebnisse und Prozesse der Projektwochen mit Schüler*innen zu präsentieren.

Eine größere Sichtbarkeit hat einerseits zur Folge, dass Museumsnutzer*innen die Vermittlungsarbeit als gleichwertige Aufgabe neben dem Ausstellen und dem Bewahren von Kunst wahrnehmen können, andererseits wird den Stimmen der Teilnehmenden von Vermittlungsprojekten dadurch ein höherer Stellenwert beigemessen. Es stärkt ihre Identifikation mit dem Museum und die Lust wiederzukommen. Die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen können neue Zugänge zu den ausgestellten Werken öffnen, ihnen aktuelle Interpretationen hinzufügen und das Museum zu einem Spiegel einer vielstimmigen Gesellschaft machen.

Dass Schüler*innen im Museum auf unterschiedliche Weise sichtbar eingreifen können, stellt in vielen Museen immer noch eine deutliche Verschiebung von Grenzen und Hierarchien dar. Wer entscheidet, was auf welche Weise im Museum sichtbar werden darf? Haben Jugendliche überhaupt ein Interesse daran, sich selbst und ihre Lernprozesse im Museum auszustellen? Welche Faktoren tragen zu einer gelungenen Präsentation eines Projekts bei? Diese und weitere Fragen beleuchtet der Text über das Schulprojekt „Schneller! Höher! Weiter!“.

Außerdem werden aktivierende Materialien vorgestellt, die aus lab.Bode-Schulprojekten hervorgegangen sind. Sie schlagen alternative Sammlungsrundgänge oder Objektbeschriftungen vor und entwerfen Ideen, was sich im Museum außer der Kunst noch so alles abspielen könnte. Mit diesen Materialien werden die Stimmen und Ideen der beteiligten Kinder und Jugendlichen nachhaltig im Museum erfahrbar.

Warum soll Vermittlung im Museum aktiv Raum einnehmen?
Warum soll Vermittlung im Museum aktiv Raum einnehmen? Was passiert, wenn Teilnehmer*innen von Projekten der Kunstvermittlung im Museum sichtbar werden? Wer entscheidet, was und wer im Museum Raum einnehmen darf? Ausgehend von diesen Fragen, teilen Akteur*innen aus lab.Bode-Partnermuseen und ehemalige lab.Bode-Volontär*innen hier ihre Argumente zu dem Thema.
Wie wird der Museumsraum zum Aktionsraum?

Wie können Schüler*innen im Museum aktiv Raum einnehmen? Wer entscheidet, was öffentlich im Museum gezeigt wird? Wessen Interesse ist es eigentlich, Vermittlungsprozesse sichtbar zu machen? Maralena Schmidt reflektiert am Beispiel des Schulprojekts „Schneller! Höher! Weiter!“, wie im Rahmen von lab.Bode Schüler*innen mit eigenen künstlerischen Reaktionen im Museumsraum sichtbar werden konnten.

Aktivierende Materialien laden Nutzer*innen dazu ein, das Museum eigenständig oder in kleinen Gruppen zu erkunden und aktiv Raum einzunehmen. Im Rahmen von Schulprojekten haben Kinder und Jugendliche neue Perspektiven auf Objekte und die Architektur des Bode-Museums erarbeitet. Sie sind in die Gestaltung von alternativen Saalzetteln, einer Action-Map und einem Kritzelblock als Ausstellungsbegleiter eingeflossen. Karten mit Impulsfragen laden außerdem alle Museumsbesucher*innen ein, Meinungen, Gedanken und Ideen zu einzelnen Kunstwerken und dem Museum im lab.Bode-Denkraum zu hinterlassen.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Räume des Museums zu erweitern und in der Stadt sichtbar zu werden? Im Sommer 2020 hat lab.Bode im Rahmen des groß angelegten Projekts „Haltung zeigen!“ erprobt, wie das Bode-Museum in Schulen präsent werden kann. Dafür wurde die Idee eines reisenden Zeltes entwickelt, in dem Reproduktionen von ausgewählten Kunstwerken und Ergebnisse aus Workshops zu sehen waren. Für jeweils eine knappe Woche stand das Zelt auf den Schulhöfen von drei Partnerschulen, die sich in der Peripherie Berlins in großer Entfernung zum Bode-Museum befinde. Entstanden ist ein neuer Ausstellungs- und Aktionsort, in dem Schüler*innen die Ausstellung besuchen konnten und ein umfangreiches Workshop-Programm während der Schulzeit zum Mitmachen einlud.

Das Projekt „Schneller! Höher! Weiter!“ – Schüler*innen nehmen im Museum Raum ein

Wie können Schüler*innen im Museum aktiv Raum einnehmen? Wer entscheidet, was öffentlich im Museum gezeigt wird? Wessen Interesse ist es eigentlich, Vermittlungsprozesse sichtbar zu machen? Maralena Schmidt reflektiert am Beispiel des Schulprojekts „Schneller! Höher! Weiter!“, wie im Rahmen von lab.Bode Schüler*innen mit eigenen künstlerischen Reaktionen im Museumsraum sichtbar werden konnten.

Maralena Schmidt

Projektreflexion zu „Schneller! Höher! Weiter!“

Mit Schüler*innen im Museum Raum einnehmen – Reflexion des Schulprojekts: „Schneller! Höher! Weiter!“
Sichtbarkeit von Vermittlung im Museum

In der Kunstvermittlung spielt das Zeigen von Projektergebnissen eine wichtige Rolle. Ergebnisse, die von Teilnehmenden im Rahmen einer Projektwoche im Museum erarbeitet wurden, werden oft in Form einer öffentlichen Präsentation sichtbar gemacht. Das Sichtbarmachen von Ideen und Anliegen der Projektbeteiligten kann die Motivation und Konzentration innerhalb eines Projekts verstärken und den Beteiligten vermitteln, dass ihre Beiträge im Museum ernst genommen werden. Doch das Zeigen von Projektergebnissen im Ausstellungsraum kann auch für andere Besucher*innen neue Zugänge zu den Museumsobjekten eröffnen. Nicht zuletzt ist das Museum ein Ort, der den Dingen, die darin gezeigt werden, eine besondere Bedeutung gibt und die Entscheidung darüber, was im Museum auf welche Weise sichtbar gemacht wird, liegt klassischerweise bei den Museumsleitungen und Kurator*innen. Wenn dagegen Schüler*innen im Museum aktiv Raum einnehmen, stellt dies in vielen Museen immer noch eine deutliche Verschiebung von institutionellen Grenzen und Hierarchien dar.

Das Schulprojekt „Schneller! Höher! Weiter!“ ist ein Beispiel dafür, wie im Rahmen von lab.Bode Vermittlung außerhalb der ihr zugeordneten Vermittlungsräume innerhalb des Museums sichtbar wurde. In Auseinandersetzung mit einem zentralen und für alle Museumsnutzer*innen sichtbaren Objekt, dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, beschäftigten sich Schüler*innen einer 8. Klasse mit den Themen Macht und Status. Das Reiterstandbild steht im Eingangsbereich des Bode-Museums, einem neobarocken Kuppelraum mit zwei geschwungenen Treppenaufgängen.

In Übungen erarbeiteten die Schüler*innen Ideen, wie sie dem Kurfürsten auf Augenhöhe begegnen können und was sie ihm entgegensetzen würden. Mit drei raumgreifenden Installationen aus Holz, die sie im Eingangsbereich des Bode-Museums platzierten, nahmen die beteiligten Schüler*innen in diesem Projekt wortwörtlich und ganz konkret Museumsraum ein.

Die Idee – Herausforderungen und Grenzen

Die Ausgangsidee der Vermittler*innen war es, in diesem Projekt mit dem Kurfürsten im repräsentativen Eingangsbereich des Bode-Museums in rund sechs Metern Höhe auf Augenhöhe zu kommen. Dafür planten sie mit den Projekteilnehmer*innen eine Konstruktion zu bauen, die bis hoch zum Reiterstandbild reichen sollte. Der Bauprozess sollte über die Projektlaufzeit unmittelbar am Reiterstandbild stattfinden und so für alle Nutzer*innen des Bode-Museums einsehbar sein. Vermittlung sollte nicht hinter verschlossenen Türen eines Werkraums (irgendwo im Keller des Museums) stattfinden, sondern in den Ausstellungsräumen selbst in direktem Bezug zu den Objekten.

Schon die Konzeptionsgespräche bei der Planung des Projekts, die zwischen Workshopleiter*innen und der lab.Bode-Mitarbeiterin stattfanden, waren von einem ständigen Abklopfen der Grenzen und Möglichkeiten innerhalb der Institution Museum geprägt. Können wir eine große Holzkonstruktion während der Öffnungszeiten des Museums bauen? Mit welchen Materialien dürfen wir in direkter Nähe zu Ausstellungsstücken arbeiten? Wie sichern wir eine solche „Baustelle“ innerhalb des öffentlichen Museumsbetriebs ab? Was dürfen wir in dem denkmalgeschützten Raum, der „Großen Kuppel“ überhaupt? Eine weitere, meist nur intern ausgesprochene Grenze, bildete die Frage nach der Ästhetik dessen, was im Museum zeigbar ist. Wer darf hier entscheiden, was in diesem Museumsraum auf welche Weise sichtbar wird? Der*die zuständige Kurator*in, die Vermittler*innen oder die Schüler*innen selbst?

Schnell wurde in Gesprächen mit der Abteilung für Sicherheit der Staatlichen Museen zu Berlin klar, dass ein solches Vorhaben zahlreiche Sicherheitsrisiken barg. Das Bauen mit brennbaren Materialien wie Holz erhöht die Brandlast. Eine selbstgebaute Konstruktion, die wie geplant betreten werden sollte, müsste vom TÜV auf ihre Statik geprüft werden. Außerdem wären durch eine Bauaktion in der großen Kuppel Fluchtwege verstellt worden. Restauratorische Vorgaben kamen hinzu, so sind beispielsweise Nasstechniken und alles, was Staub produziert, in der Nähe von Ausstellungsobjekten nicht erlaubt. Arbeiten mit organischen Materialien sowie lösemittelhaltige Werkstoffe sind aus restauratorischen Gründen ebenfalls untersagt. Holz muss stets mit zwei Schichten Lack auf Acrylbasis abgesperrt werden, bevor es in die lab.Bode-Räume gebracht und dort weiterverarbeitet werden darf.

Als Antworten auf diese Herausforderungen wurden Alternativen entwickelt. Eine Idee, um auf Höhe des Reiterstandbilds zu kommen, war zwischenzeitlich eine Hebebühne zu leihen. Diese hätte dann wie eine Bühne oder Plattform für die Schüler*innen und eventuell auch für Besucher*innen fungiert. In den ersten Terminen mit den Schüler*innen, zeigte sich aber, dass sie weniger an performativen Methoden interessiert waren, sondern vor allem selbst etwas bauen wollten. In Abwägung der vorab beschriebenen Sicherheitsbedenken und der Motivation der Schüler*innen, entschieden sich die Workshopleiter*innen schlussendlich dafür, mit den Schüler*innen in Kleingruppen Objekte aus Holz zu bauen.

Nach zwei einführenden Terminen in der Schule fand die Projektarbeit dann an sieben vierstündigen Terminen im Bode-Museum statt. Die lab.Bode-Vermittlungsräume wurden für das Bauen mit Holz zu provisorischen Werkstätten umfunktioniert. Im Projektverlauf stellte sich insbesondere der Materialtransport von größeren Holzteilen durch die Ausstellungsräume als Herausforderung dar. Spontane Materialanschaffungen, je nach Bedarf der von den Schüler*innen entwickelten Ideen, waren mit vielen Widerständen innerhalb der regulären Museumsabläufe verbunden. Dies löste auch Unsicherheit und teilweise Ärger bei den Schüler*innen aus. Warum sollten sie im Museum gegen diese Widerstände arbeiten, wenn sie doch auch in der Holzwerkstatt ihrer Schule bauen könnten? An diesem Konflikt wird in der rückblickenden Reflexion deutlich, wie wichtig es ist, schon bei der Entwicklung eines Projekts kritisch zu reflektieren: Wessen Interesse ist es, in den Museumsraum zu intervenieren? Von den beteiligten Erwachsenen (Vermittler*innen, Lehrkraft) war von Anfang an als ein Ziel des Projekts gesetzt, dass Ergebnisse gezeigt werden. Für lab.Bode ging es dabei darum, Hierarchien zu verschieben und den Schüler*innen die Möglichkeit zu geben, diesen prominenten Raum im Museum einzunehmen. Die Hoffnung war, dass durch die Interventionen der Jugendlichen neue Zugänge zu dem Reiterstandbild entstünden und gleichzeitig die Vermittlungsarbeit für alle Museumsnutzer*innen sichtbar würde. Doch was wollten die Schüler*innen?

Auch sie äußersten von Beginn an den Wunsch, gemeinsam etwas Großes zu bauen und dies im Museum zu zeigen. Für sie spielte aber die Dimension der Grenzverschiebung im Museum keine Rolle und wurde von ihnen als hinderlich und störend empfunden. Karen Winzer, eine der Workshopleiter*innen, brachte es in einem Reflexionsgespräch so auf den Punkt: „Die Schüler*innen wollen sich und ihre Arbeit gerne zeigen. Aber sie wollen selbst entscheiden was sie wie zeigen. Sie wollen ihre fertige Installation im Ausstellungsraum präsentieren und nicht von Besucher*innen dabei beobachtet werden, wie sie schwitzend mit der Säge über dem Holz hängen.“

Eine wichtige Wertschätzung erhielt das Projekt dann in einem gemeinsamen Termin mit dem Museumsdirektor und der Kuratorin für Outreach. Die Schüler*innen zeigten ihre, sich noch im Prozess befindenden Objekte und erklärten, in welchem Zusammenhang sie aus ihrer Sicht zu dem Reiterstandbild des Kurfürsten standen. Sie besprachen außerdem die Idee, die Holzobjekte in direkter Nähe zum Reiterstandbild auszustellen. Die nötigen Sicherheitsvorkehrungen und Rahmenbedingungen für diese Präsentation hatte die lab.Bode-Mitarbeiterin vorab intern geklärt und den Museumsdirektor darüber informiert.

Zum Abschluss wurden die entstandenen Holzobjekte in der „Großen Kuppel“, dem repräsentativen Eingangsbereich des Museums gezeigt. Sie wurden temporär ein Teil des Museums und standen in direktem Bezug zum Raum und dem zentralen Reiterstandbild. Eine zusätzliche Aufsichtskraft wurde für die Installationen eingesetzt und ein zusätzlicher Handfeuerlöscher musste bereitstehen.

Museum als Aktionsraum

Auch wenn die eigentliche Projektarbeit nicht wie angedacht in der „Großen Kuppel“ stattfinden konnte, wurde hier die Installationen für die Präsentation gemeinsam mit den Schüler*innen während der Öffnungszeiten aufgebaut. Es entstand eine raumgreifende Installation im Eingangsbereich des Bode-Museum. Sie bestand aus drei Holzobjekten, die sich auf den Projekttitel bezogen:

1. Schneller! – Ein Ferrari im Maßstab 1:1
2. Höher! – Eine Landeplattform für eine Drohne
3. Weiter! – Eine Armbrust mit Fernrohr

Ästhetisch stellten die drei Objekte der Schüler*innen einen Bruch mit dem neobarocken Raum, der „Großen Kuppel“ dar. Aus hellem Holz und mit klaren, geraden Linien wirken sie eher wie zeitgenössische Kunstinstallationen. Inhaltlich bezogen sie jedoch weniger eine Gegenposition zu den Statussymbolen und den repräsentativen Machtsymbolen des Reiterstandbilds, sondern aktualisierten diese vielmehr. Die Jugendlichen griffen die grundlegenden Statussymbole wie Pferd, Rüstung und Kommandostab auf und fanden dafür Gegenstände aus der heutigen Zeit. Der Kurfürst hätte aus ihrer Sicht heute beispielsweise eine Drohne, um seine Feinde schon in weiter Entfernung zu sehen und den Überblick zu bewahren oder er hätte statt des Pferds einen schnellen Sportwagen. Gleichzeitig spielten sie in ihren Installationen mit der Idee, auf Augenhöhe mit dem Kurfürsten zu kommen und luden Betrachter*innen ein, mit dem Reiterstandbild in Aktion zu treten. So hatten alle drei Holzkonstruktionen eine Funktion und konnten (zumindest theoretisch) genutzt werden.

Besucher*innen konnten sich hinter das Steuer des Ferrari setzen, konnten den Kurfürsten durch das Fernrohr anvisieren und die Drohne auf der Landeplattform hätte fliegen können (aus Sicherheitsgründen wurde dies in der Kuppel aber letztendlich nicht genehmigt). Hinzu kam bei der Präsentation ein eingespieltes Ferrari-Motorengeräusch, welches laut durch die ganze Kuppel schallte.

© lab.Bode / Ute Klein, 2018
© lab.Bode / Ute Klein, 2018
© lab.Bode / Ute Klein, 2018
Einschreibung in den Museumsraum

Die teilnehmenden Jugendlichen wurden mit ihren Ideen und ihren selbst gebauten Objekten temporär Teil des Museums. Durch das Platzieren ihrer eigenen Entwürfe in Reaktion auf eines der repräsentativen Objekte im Eingangsbereich des Bode-Museums, veränderten sie den Museumsraum und erweiterten das Wahrnehmungsangebot. Entsprechend der Ausstellungskonventionen im Bode-Museum, wurden die Objekte der Schüler*innen mit einem Einführungstext und kurzen Objekttexten in Deutsch und Englisch gerahmt. Damit sollte den Arbeiten der Schüler*innen eine möglichst große Gleichwertigkeit gegenüber den Museumsobjekten gegeben werden und zugleich der Kontext markiert werden, in dem sie entstanden waren.

Was darf im Museum sichtbar werden? – Entwicklung im Vergleich zum Vorgängerprojekt

Die meisten der beteiligten Schüler*innen hatten bereits im Sommer 2017 in einem lab.Bode-Projekt mit dem Kurs „Holzgestaltung“ teilgenommen, dem Projekt „3D-Labor – Was fehlt hier?“. Geleitet wurde es von denselben Vermittler*innen und begleitet durch dieselbe Lehrkraft. In diesem Projekt bauten die Schüler*innen kleinere Objekte, die aus ihrer Sicht Fehlstellen zu Objekten oder in Museumsräumen ergänzten. Mit Techniken wie Gipsabguss, Holzkonstruktion und Pappmaché-Technik entstanden so zum Beispiel eine alternative Nase aus Gips für eine Büste von Kant, einer Figurengruppe wurde ein kleiner Elefant zur Seite gestellt und eine Konfettimaschine wirbelte in einem Plexiglaskasten Papierteilchen auf und warf Schatten und Lichtreflexe in die Museumsräume. Die entstandenen Objekte des Projekts „3D-Labor“ wurden in mehreren Ausstellungsräumen in direktem Bezug zu den jeweiligen Museumsobjekten gezeigt. Allerdings fand diese Präsentation nur innerhalb der Schließzeit des Museums und ausschließlich für die Projektteilnehmenden selbst statt. Auch wenn der Museumsdirektor sich die Schüler*innenarbeiten zeigen ließ und diese wertschätzte, war eine öffentliche Präsentation im Museum nicht möglich. Grund dafür waren einerseits fehlende Erfahrungen mit dauerhafteren, öffentlichen Präsentationen von Projektergebnissen aus der Vermittlung innerhalb der Ausstellungsräume. Üblicher waren zu diesem Zeitpunkt Präsentationen in den jeweiligen Vermittlungsräumen des Museums. Andererseits hatten die Workshopleiter*innen nicht von vornherein einen Ergebnisdruck aufbauen wollten und daher sehr kurzfristig entschieden, die entstandenen Objekte im Ausstellungsraum aufzustellen. Eine öffentliche Präsentation hätte mehr Vorlauf für Absprachen mit Museumsleitung und Sicherheitspersonal erfordert.

Bei dem Folgeprojekt „Schneller! Höher! Weiter!“ (April bis Juni 2018) war eine öffentliche Ausstellung der Ergebnisse im Eingangsbereich des Museums für vier Tage möglich.

Wie kam es zu dieser Entwicklung? Zum einen baute das Projekt „Schneller! Höher! Weiter!“ auf den Erfahrungen des Vorgängerprojekts „3D-Labor“ auf und eine Sichtbarmachung des Projekts und seiner Ergebnisse war von Beginn an zentraler Bestandteil der Projektidee. Zudem hatte in der Museumsinstitution ein Lernprozess stattgefunden. Die Mitarbeiter*innen von lab.Bode wussten, wie wichtig es für eine gelungene Präsentation war, dass Rahmenbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen vorab mit Restaurator*innen und Sicherheitsabteilung geklärt wurden. Zusätzlich hatten zwei andere lab.Bode-Projekte den Kurator*innen und dem Museumsdirektor gezeigt, wie Arbeiten von Schüler*innen im Museum sichtbar werden konnten: Im Projekt „Loading…“ (Januar bis März 2018) gestalteten Schüler*innen eine eigene Ausstellung in den lab.Bode-Räumen und verwiesen mit eigenen Labeln innerhalb der Ausstellungsräume und an ausgewählten Objekten auf ihre Ausstellung. Die Ergebnisse des Trickfilmprojekts „Menschenbilder“ (Januar 2018) wurden auf iPads verteilt und stellten direkte Bezüge zu Ausstellungsobjekten her. Es war also weniger ein reflektierter Prozess, der gezielt zwischen lab.Bode und der Museumsleitung stattfand, sondern die verschiedenen Projekte, die auf unterschiedliche Weise Ergebnisse in den Ausstellungsräumen sichtbar machten, bewirkten dass es nun selbstverständlicher war, Projektergebnisse öffentlich zu zeigen.

Mit Schüler*innen im Bode-Museum aktiv Raum einzunehmen, war kein einfaches Vorhaben. Auch die Reflexion des Projekts „Schneller! Höher! Weiter!“ zeigt, wie wichtig die Kommunikation innerhalb der verschiedenen Arbeitsbereiche im Museum vorab ist. Neben den praktischen Fragen zu konservatorischen Rahmenbedingungen, muss auch die Frage „Wer darf im Museum, was und auf welche Weise zeigen?“ immer wieder aufs Neue diskutiert und ausgehandelt werden.

Projektdokumentation
Schneller! Höher! Weiter!

Die Teilnehmenden bekamen in diesem Projekt die Möglichkeit, sich gegenüber dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten in der Eingangshalle des Bode-Museums zu positionieren. Die Wahl der Mittel ist war ihnen dabei relativ freigestellt. Sie konnten allein oder in kleinen Gruppen mit ausgewählten Objekten, selbstgebauten Attributen, choreografischen Eingriffen, performativ oder akustisch auf die Figur des Kurfürsten reagieren.

Mit Hilfe ihrer Beiträge sollten sie dem Kurfürsten nicht nur ganz nah kommen, sondern sich ihm gegenüber bewusst selbst inszenieren. Ausgehend von ihrem Interesse am eigenhändigen Bauen konstruierten die Schüler*innen in Kleingruppen drei Holzobjekte: einen Ferrari aus Holzlatten, eine Start- und Landeplattform für eine Drohne und eine Armbrust, die mit einem Zielfernrohr versehen wurde. Sie besprachen ihre Entwürfe vorab mit dem Direktor des Museums. Zum Abschluss des Projekts wurden die Objekte als raumgreifende Installation in der Eingangshalle des Bode-Museums ausgestellt.

Die finale Bauphase und die Präsentation der Arbeiten fanden im Museum an exponierter Stelle statt. Die Besucher*innen konnten die Installation der Arbeiten verfolgen und das Reiterstandbild aus neuer Perspektive betrachten. Die autoritäre Geste des Reiterstandbildes wurde durch die Beiträge der Teilnehmenden in Frage gestellt. Wie hat sich Ausstrahlung und Wirkung des Standbildes in Verbindung mit den neu entstandenen Arbeiten verändert?

An den Arbeiten der Schüler*innen wurde ihre Reflexion über die ausgewählten Leitbegriffe – Menschenbilder, Gender und Identität – deutlich:

Wie stellen Menschen Menschen dar? Was empfinden die Teilnehmenden in Anbetracht der überlebensgroßen, in Bronze gegossenen Darstellung des Kurfürsten? Wie wurden Männer im Vergleich zu Frauen in der Vergangenheit dargestellt? Und wie heute? Was zeigt der mächtige Mann von sich und was wollen die Teilnehmenden von sich zeigen? Würden sie auch gerne hoch hinaus und wenn ja, was erwarten sie dort oben?

 

Objektbezug

Im Zentrum des Workshops stand das Standbild des Großen Kurfürsten in der Eingangshalle des Bode-Museums. Reiterstandbild wie Architektur bot für die Teilnehmenden einen Anlass, über die eigene Position nachzudenken: Sie befinden sich in der Eingangshalle des Bode-Museums in einem musealen Raum, der mit seinen Werten, seiner kulturellen Bedeutung, seiner Geschichte, seiner Lage in der Hauptstadt Deutschlands in hohem Maß atmosphärisch aufgeladen ist und Autorität ausstrahlt. Die Teilnehmenden wurden sowohl von der Herrscherfigur als auch von der Architektur herausgefordert. An Körpergröße und politischer Bedeutung unterlegen, war es an ihnen, Wege zu finden, sich im Machtgefüge des Raums zu behaupten.

Formen der Zusammenarbeit

Die museumsbeauftragte Lehrkraft hatte von Beginn der Kooperation an Interesse, mit ihrem Wahlpflicht-Kurs Holzwerkstatt ein Projekt im Museum zu realisieren. Eine langfristige Zusammenarbeit mit diesem Kurs über mehrere Schuljahre war möglich.

Das Projekt entwickelte sich als Fortsetzung aus dem Projekt „3D-Labor“ im Jahr 2017. Der museumsbeauftragte Lehrer und Leiter der Holzwerkstatt begleitete das Projekt und es entwickelte sich eine gelungene Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Vermittlungsteam. Der Lehrer teilte und bestärkte das Interesse der Schüler*innen am eigenen Bauen und künstlerischen Arbeiten.

Unterrichtsbezug / Bezug zu kompetenzbezogenem Lernen

Der Wahlpflichtkurs Holzwerkstatt bot mit diesem Projekt Anknüpfungspunkte an die Fächer Kunst, Geschichte, Mathematik und Physik.

Übergreifende Kompetenzen kamen zum Tragen:

  1. bei der Annäherung an die Figur des Großen Kurfürsten, dem Erschließen seiner historischen, politischen Bedeutung. Es galt, ihn in seiner Position als Herrscherfigur zu erfassen und eine zeitgeschichtliche Vorstellung zu entwickeln.
  2. beim Berechnen der Konstruktion ihrer Objekte: Maße mussten bestimmt, statische Bedingungen eingeschätzt werden.
  3. beim Treffen von gestalterischen Entscheidungen.
  4. bei der Nutzung von technischen Geräten wie Laser-Messgerät, Laserpointer, Fernrohr und Aktivboxen.
  5. bei der zeichnerischen und sprachlichen Formulierung ihrer Ideen als Grundlage der Realisierung.
  6. bei der Präsentation ihrer Ergebnisse – Kunstvermittlung!

Methodische Herangehensweise

Die im Workshop angewendeten Methoden leiten sich sowohl aus theaterpädagogischen Annährungs- und Beobachtungsexperimenten als auch aus künstlerischen Methoden zur Erfassung und Besprechung des Reiterstandbildes ab:

  • Übung zur Wahrnehmung von Höhe und ihrer Bedeutung: hierarchisch und körperlich; choreografische Übung
  • Biografische Übung/Selbstdarstellung: sprachliche Entwicklung kurzer Narrationen zur eigenen Person
  • Konfrontation mit dem Standbild vor Ort: Betrachtung, Diskussion über Wirkung, Austausch über erste Assoziationen und Impulse
  • Untersuchung und Beschreibung des Reiterstandbildes sowie der Eingangshalle mit Hilfe von Mess- und Beobachtungsgeräten
  • individuelle Entwurfsarbeit: Entwickeln einer Idee, Skizzierung, inhaltlicher Austausch
  • Entscheidungsfindung als Gruppe: Beratschlagung, Abwägen (Was interessiert uns? Was schaffen wir zeitlich und technisch?), Abstimmung
  • Recherche zu konstruktiven Fragestellungen
  • Rücksprache mit Mitarbeiter*innen des Hauses über Materialwahl, Versicherung, Brandschutz
  • Bildhauerische Arbeit, Bauen
  • Installieren, Präsentieren

Projektphasen

Termin: 23.4.2018 | Dauer: 1,5 Std. | Ort: Schule
Performative Übung zu Machtverhältnissen in verschiedenen Räumen der Schule und in der Umgebung

Termin: 24.4.2018 | Dauer: 1,5 Std. | Ort: Schule
Fotografische Selbstinszenierung mit eigenen, mitgebrachten Attributen, Einleitung zum Großen Kurfürsten, Ausblick auf praktische Arbeit im Museum

Termin: 26.4.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
Individuelle Betrachtung des Reiterstandbildes, Vermessen des Raums, fotografische Annäherung in Gruppen, Formulierung erster Reaktionen und Ideen auf das Standbild und die Gesamtsituation in der Eingangshalle

Termin: 3.5.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
1. Selbstbild/Selbstdarstellung thematisieren und vertiefen: Drei Geschichten zur eigenen Person erfinden: Wann habe ich mich besonders wohl oder stark gefühlt? Eine Geschichte muss gelogen sein. Die Gruppe rät. 2. Bisherige Ideen überprüfen und präzisieren, entscheiden, was realisiert werden soll und welche Materialien dafür benötigt werden, Planung der ersten Arbeitsschritte

Termin: 4.5.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
Gruppenarbeit an drei Objekten: 1. Ferrari F40: Maßstab 1:1, Übertragung einer technischen Zeichnung in dreidimensionale Dachlatten-Auto-Konstruktion; akustische Ergänzung durch Original-Motoren-Sound über Aktivbox; 2. Drohne: Bau eines Sockels als Landefläche für eine Drohne, farbliche Gestaltung, Markierung der Flächen; 3. Armbrust: Konstruktion eines Hybrids aus Stativ, Armbrust, Fernglas und Laserpointer, Bau eines mechanisch schwenk- und benutzbaren Objektes, in dem die Funktionen optisches Markieren (Laserpointer) und Vergrößern (Fernglas) kombiniert werden

Termin: 7.5.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
Gruppenarbeit an den drei Objekten

Termin: 8.5.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
Gruppenarbeit an den drei Objekten

Termin: 17.5.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
Gruppenarbeit an den drei Objekten, Präsentation der Arbeiten, Argumentation der eigenen Vorhaben gegenüber dem Direktor des Museums

Termin: 24.5.2018 | Dauer: 4 Std. | Ort: Museum
Fertigstellen der Objekte, Installation im Museumsraum, fotografische Selbstinszenierung/Dokumentation, Ausstellungseröffnung, Erläuterung der eigenen Arbeit im Gespräch mit Besucher*innen

Sichtbarkeit/Künstlerische & praktische Arbeiten

Im Museum:

Die Vermittlungsarbeit wurde hauptsächlich durch die Aktivitäten der Teilnehmenden im Ausstellungsraum sichtbar:

  • Vor-Ort-Recherche der Teilnehmenden, Ausmessen von Objekten, fotografische Annäherung an Exponate, Gruppengespräche im Ausstellungsraum
  • Materialtransporte durch Museumsräume und Ausstellungsbereiche; Konfrontation mit Regeln des Museums; Diskussionen mit Aufsichts-, Sicherheitspersonal und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen
  • Präsentation der Ergebnisse im Ausstellungsraum

 

In der Schule:

  • Übungen, Aktivitäten und Arbeiten auch außerhalb des Werkraums
  • Ergebnisse wurden teilweise in die Schule gebracht, dort gezeigt und Material wiederverwendet
  • Poster mit Projektdokumentation im Schulflur

 

Für Besucher*innen:

  • Selbständig arbeitende, selbstverständlich in Museumsräumen agierende Teilnehmende
  • Materialtransporte durch Teilnehmende innerhalb der Ausstellungsbereiche
  • Lärm, der aus den Vermittlungsräumen dringt
  • Präsentation von Ergebnissen im Ausstellungsraum

Räume der Vermittlung / Projektsettings

Im Museum:

Die Projektgruppe arbeitete in einer provisorischen Werkstatt in den Räumen des lab.Bode (Freiraum und Plattform), dem kleinen Werkraum im Keller sowie außerhalb des Gebäudes. Die Ergebnisse wurden in den Museumsräumen präsentiert.

Für Projekte wie dieses bräuchte man Räume, die leicht zugänglich sind, in die Material hinein- und herausgetragen werden kann, ohne Ausstellungsräume durchqueren zu müssen. Lagerflächen für Zwischenergebnisse längerfristiger Projekte wären sinnvoll, ebenso wäre es gut, wenn man den Raum lüften könnte und es einen Wasseranschluss und unempfindliche Oberflächen (Fußböden und Möbel) gäbe.

 

In der Schule:

Der Werkraum – ausgestattet mit einfachen, vorwiegend manuellen Werkzeugen, Werkbänken, Wasseranschluss etc. – wurde nur für den Auftakt des Projektes genutzt, weil das Museum als außerschulischer Lernort für die Teilnehmenden reizvoll war und sie sich im Museum bestenfalls leichter auf andere Methoden und Inhalte einlassen können, als in ihrer gewohnten Schulumgebung.

Ressourcen: Technik und Verbrauchsmaterialien

Ressourcen: Honorare

2 freie Mitarbeiter*innen, jeweils 25 Stunden Vor- und Nachbereitung, 31 Stunden Durchführung, 3 Stunden Dokumentation und Reflexion

Projektkoordination (Wissenschaftliche Mitarbeiter*in lab.Bode:
Maralena Schmidt
Workshopleiter*innen (Freie Mitarbeiter*in):
Malte Bartsch, Karen Winzer
Projektzeitraum:
1.4.–1.6.2018
Termine & Dauer:
9 Einzeltermine, Tag 1: 1,5 Std. Tag 2: 1,5 Std. Tag 3: 4 Std. Tag 4: 4 Std. Tag 5: 4 Std. Tag 6: 4 Std. Tag 7: 4 Std. Tag 8: 4 Std. Tag 9: 4 Std.
Schule:
Schule am Rathaus
Klasse/Lehrkraft:
7. Klasse, Wahlpflichtuntericht Holzwerkstatt / David Kaller
Gruppengröße:
16
Oberthema/Unterthema:
Menschenbilder, Gender, Identität
Autor*innen der Dokumentation:
Maralena Schmidt, Malte Bartsch, Karen Winzer
Methoden