Kulturstiftung des Bundes Staatliche Museen zu Berlin – Preußisher Kulturbesitz

Wie können Veränderungsprozesse in Museen angestoßen werden und welche Werkzeuge müssen kulturelle Bildungsarbeiter*innen entwickeln, um der Diversität und der sich wandelnden sozialen und kulturellen Zusammensetzung von Gesellschaft adäquat zu begegnen? Wie können Akteur*innen der Bildungsarbeit die eigene Praxis konstruktiv reflektieren? Wie kann eine diskriminierungskritische Bildungsarbeit gelingen?

Dies waren leitende Fragestellungen von lab.Bode. Der Fokus lag dabei darauf, aktuelle soziale und politische Themen aufzugreifen und mögliche Anknüpfungspunkte in den kulturhistorischen Sammlungen des Bode-Museums zu identifizieren. Im lab.Bode pool zeigen wir einen Ausschnitt der verschiedenen Perspektiven und Stimmen, die dazu beigetragen haben, das Museum und seine Sammlungen machtkritisch auf Aktualität, Relevanz, Formen von Repräsentation und Leerstellen zu befragen. Carmen Mörsch und Peggy Piesche reflektieren in ihrem Textbeitrag die historisch gewachsene koloniale Verfasstheit der Institution Museum und deren Kontinuitäten in der Gegenwart. In weiteren Interviews, Texten, Vorträgen, Leitfäden und Praxisbeispielen kommen Expert*innen in Residence, kulturelle Bildner*innen, Netzwerke, Jugendliche und Lehrkräfte zu Wort.

Warum ist es für das Museum wichtig, rassismus- und diskriminierungskritisch zu arbeiten?
Carmen Mörsch und Peggy Piesche reflektieren in ihrem Textbeitrag die historisch gewachsene koloniale Verfasstheit der Institution Museum und deren Kontinuitäten in der Gegenwart. Schwerpunkt ihrer Betrachtung liegt auf der Ungleichheitskategorie Rassifizierung. Sie nehmen mit diesem Fokus eine historische Bestandsaufnahme der Institution Museum vor, das in seiner Entstehung von sozialen Ausschlüssen und der Normalisierung von Gewaltverhältnissen geprägt ist. An aktuellen Beispielen von Ausstellungs- und Vermittlungskonzepten im Bode-Museum werden Ansätze von diskriminierungskritischer Museumsarbeit kritisch analysiert und Leerstellen aufgezeigt. Carmen Mörsch ist Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin und Kunstvermittlerin und begleitete lab.Bode 2017 bis 2019 in der Rolle der „kritischen Freundin“. Peggy Piesche ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und transkulturelle Trainerin für Intersektionalität, Diversität-Inklusion, Rassismus- und Machtkritik sowie für kritische Weißseinsforschung in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.
Zum Themenfeld „Diskriminierungskritisch arbeiten“ sind hier verschiedene Videos vergangener SET-Veranstaltungen in chronologischer Reihenfolge zu sehen: Natalie Bayer (Friedrichshain-Kreuzberg Museum), Sandrine Micossé-Aikins (Diversity Arts Culture) und Miriam Camara (akoma coaching & consulting) besprechen in ihren Beiträgen, warum Museen diskriminierungskritisch arbeiten müssen und wie Diversifizierungsprozesse nachhaltig umgesetzt werden können.
Museen befinden sich in einem stetigen Wandel und neue, kritische Perspektiven auf die Institution Museum sind für deren nachhaltige Veränderung unabdingbar. Diesen kritischen Blick ermöglichte Azadeh Sharifi, besonders mit ihrem Schwerpunkt auf (post-)migrantische Perspektiven, im Rahmen ihrer lab.Bode-Residency im September 2018. Daraus entstanden ist, neben zwei Interviews, eine Reflexion über ihre Zeit bei lab.Bode, die die vielseitigen Problematiken in einer weißen Institution aus einer Women of Color-Perspektive erläutert.
Wie kann diskriminierungskritische Bildungsarbeit im Museum aussehen?
Seit 2018 ist das Bode-Museum Teil des Netzwerks Museen Queeren Berlin. In einem Interview mit Netzwerkvertreter*innen wird besprochen, welche Relevanz „queeren“ in Bildungskontexten hat und wie die Praxis des „Queerens“ Museen dabei unterstützt, Sammlungen und Ausstellungen hinsichtlich heteronormativer und binärer Setzungen zu hinterfragen, um Ausschlüsse zu minimieren. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk wurde unter anderem der Workshop „Let’s Talk about Sex and Art!“ entwickelt. Hier werden Einblicke in dieses diskriminierungskritische Format gegeben sowie didaktische Materialien und weiterführenden Ressourcen vorgestellt.
Ausgehend von den Themen „anders sein“ und „Gerechtigkeit“ reagierten Schüler*innen der 7. Klasse des Thomas-Mann-Gymnasiums während einer Projektwoche auf die Ausstellung Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum. Die Schüler*innen fragten danach, was es heißt „gleichwertig“ und „anders“ zu sein und brachten die Exponate sowohl inhaltlich als auch praktisch mit ihren persönlichen Lebenswelten in Verbindung. Aus den Projekterfahrungen resultieren folgende Fragen: Wie lässt sich in einem rassistischen Ausstellungskontext rassismuskritisch arbeiten? Welche Herausforderungen treten dabei auf? Und wie können wir ihnen begegnen?
Was ist Macht? Wie wird Macht inszeniert? Was hat Kunst und Architektur mit diesen Begriffen zu tun oder: Wie viel Power steckt im Museum? Das Projekt „Bode.Power“ führte Schüler*innen über einen Dialog mit der Skulpturensammlung, den Gemälden und der Architektur des Bode-Museums an diese Fragen heran. Unterstützt von Tanz- und Theaterpädagog*innen entwickelten sie eine experimentelle, performative und interaktive Führung zum Thema Macht durch die ständige Ausstellung des Bode-Museums.
Harold Offeh ist Künstler und Kunstvermittler mit Arbeitsmittelpunkt in London. Seine Auseinandersetzung mit Machtdynamiken und Zugängen zu Kultur basiert auf der im angelsächsischen Raum bereits tradierten Erfahrung mit (Jugend-)Beteiligungsformen und Community Engaged Art. In seinem Interview spricht er darüber, wie Museen Raum für junge Menschen schaffen können, um ihnen eine Plattform zu bieten. Wichtig sei es dabei, Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen, ihnen offen gegenüberzutreten und zuzuhören.
Stephanie Endter, Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main
Befragung der eigenen Praxis und Rassismuskritik
Wie kann eine diskriminierungskritische Bildungsarbeit gelingen? Welche Aspekte sind wichtig, um eine rassismuskritische Sprache zu verwenden? Wie können Akteur*innen der Bildungsarbeit die eigene Praxis konstruktiv reflektieren? In einem Workshop zu Rassismuskritik präsentierte Stephanie Endter Ansätze der Aktionsforschung, die sie mit einem Vermittlungsteam am Weltkulturen Museum im Projekt „TRACES. Transmitting Contentious Cultural Heritages with the Arts“ anwandte.
Ganz nach dem Motto: „You can not be – what you can not see!“ muss die Frage gestellt werden: Wie können Museumsmitarbeiter*innen beziehungsweise Vermittler*innen Rollenmodelle sein, in denen sich (junge) Museumsbesucher*innen wiedererkennen und repräsentiert sehen? Praxisorientierte Materialien bieten Ansätze zur diskriminierungskritischen Weiterbildung von Kulturarbeiter*innen sowie eine Handreichung mit wichtigen Hinweisen, die zu einer diversitätsorientierten Nachwuchsförderung und Personalgewinnung beitragen können.

Queering Collections – Warum und Wie über Gender und sexuelle Vielfalt im Museum sprechen

Seit 2018 ist das Bode-Museum Teil des Netzwerks Museen Queeren Berlin. In einem Interview mit Netzwerkvertreter*innen wird besprochen, welche Relevanz „queeren“ in Bildungskontexten hat und wie die Praxis des „Queerens“ Museen dabei unterstützt, Sammlungen und Ausstellungen hinsichtlich heteronormativer und binärer Setzungen zu hinterfragen, um Ausschlüsse zu minimieren. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk wurde unter anderem der Workshop „Let’s Talk about Sex and Art!“ entwickelt. Hier werden Einblicke in dieses diskriminierungskritische Format gegeben sowie didaktische Materialien und weiterführenden Ressourcen vorgestellt.

Andrea Günther, Sandra Ortmann, Hannes Hacke

„… die Bedeutung von queeren muss immer wieder neu verhandelt werden“ Strategien des Netzwerks Museen Queeren Berlin

Andrea Günther (AG): Ich bin 2018 auf das Netzwerk Museen Queeren Berlin aufmerksam geworden, als mich Hannes Hacke bei einer Tagung über geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen in der Bildungsarbeit angesprochen und zum nächsten Treffen eingeladen hat. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin, habe ich im Rahmen von lab.Bode „Let’s Talk about Sex“ entwickelt, ein Bildungsprogramm für Schüler*innen zu Gender und sexueller Vielfalt im Bode-Museum. In diesem Zusammenhang habe ich mit dem Netzwerk Museen Queeren Berlin kooperiert und auch das Bode-Museum ist Netzwerkpartner geworden. Sandra Ortmann habe ich bei den regelmäßigen Netzwerktreffen und verschiedenen Tagungen immer wieder getroffen und als kritische Kollegin kennen und sehr schätzen gelernt. Sandra Ortmann leitet jetzt die Abteilung Bildung und Outreach im Schwulen Museum und berät Museen und Kulturinstitutionen zu Fragen der diversitätsorientierten Organisationsentwicklung, zu Outreach und Vermittlung. Hannes Hacke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator an der Forschungsstelle Kulturgeschichte der Sexualität an der Humboldt Universität zu Berlin und forscht zur Präsentation von Sexualitäten in Museen. Ende Dezember 2020 habe ich beide zum Gespräch über die Arbeit des Netzwerk Museen Queeren Berlin getroffen.

AG: Hallo! Beschreibt doch mal, was ist das Netzwerk Museen Queeren Berlin?

Sandra Ortmann (SO): Im Netzwerk Museen Queeren kommen Menschen zusammen, die in oder mit Museen und Gedenkstätten arbeiten und sich über Fragen von Geschlecht und Sexualität und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Queers (LSBTIQ) in Museen auseinandersetzen, sei es im Bereich der Sammlungen, in Ausstellungen, in der Vermittlung, im Personalbereich. Wir treffen uns viermal im Jahr in verschiedenen Museen und tauschen uns über Best-Practice-Projekte oder einen thematischen Schwerpunkt aus. Einmal im Jahr organisieren wir eine öffentliche Veranstaltung mit Gästen. Wir sind ein selbstorganisiertes Netzwerk ohne finanzielle Förderung, das von denen lebt, die daran teilnehmen und sich engagieren. Wir haben eine Webseite mit Materialien zu LSBTIQ und Museen und einen zentralen E-Mail-Verteiler.

AG: Ich erinnere mich besonders an zwei Veranstaltungen: Eine in der Berlinischen Galerie und eine im Märkischen Museum (Stiftung Stadtmuseum Berlin). Was ich gut fand im Stadtmuseum, war, dass unter anderem der Direktor dabei war. Er hat das Netzwerk begrüßt und die Veranstaltung in seinem Haus willkommen geheißen. Ich finde, das ist ein ziemlich wichtiger Teil, so auch die Leitungsebene von Institutionen als Unterstützer*innen für das Netzwerks zu gewinnen.

SO: Ja, wir bemühen uns immer, in jedem Museum, in dem wir uns treffen, uns auch den Abteilungen vorzustellen.

AG: Seit wann gibt es das Netzwerk und wie kam das Ganze zustande?

Hannes Hacke (HH): Das Netzwerk ist 2016 entstanden im Nachgang der Ausstellung Homosexualität_en, die im Deutschen Historischen Museum (DHM) und Schwulen Museum gezeigt wurde. Ich habe damals mit meiner Kollegin Katja Koblitz, die inzwischen Leiterin des Spinnboden Lesbenarchivs ist, im Schwulen Museum gearbeitet, und wir haben eng mit der Vermittlungsabteilung des DHM zusammengearbeitet. Nach der Ausstellung gab es ein Treffen, um die Zusammenarbeit auszuwerten. Daraus ist dann die Arbeitsgemeinschaft „Sexuelle und Geschlechtliche Vielfalt“ entstanden. Im Laufe der folgenden zwei Jahre sind dann immer mehr Teilnehmer*innen dazugekommen. Ich war sehr inspiriert von dem Queering the Collections-Netzwerk in den Niederlanden, das in ganz ähnlicher Weise versucht, Sammlungsinstitutionen und Museen zu vernetzen. Wir haben sie eingeladen, uns von ihren Aktivitäten und Arbeitsweisen zu berichten und das hat dann auch dazu geführt, dass wir unseren Namen geändert haben, in Netzwerk Museen Queeren Berlin. Das Verb „queeren“ haben wir aus dem Englischen („queering“) übernommen. Dahinter steht die Idee, queeren als eine aktive Praxis zu verstehen. Es geht also nicht nur darum, mit diesem Netzwerk die Sichtbarkeit von LSBTIQ in Museen zu stärken, sondern auch heteronormative Strukturen und binäre Sexualitäts- und Geschlechternormen zu hinterfragen. Ich finde es wichtig, deutlich zu machen, dass das kein abgeschlossener Vorgang ist, und dass auch die Frage, was „queeren“ eigentlich ist, immer wieder neu verhandelt werden muss.

AG: Sandra, was wollt Ihr mit dem Netzwerk erreichen?

SO: Eines der zentralen Ziele ist der Austausch, die Vernetzung, die gegenseitige Stärkung und Strategieentwicklung sowie eine Einigung auf Standards. Grundlegend würde ich sagen, ist es wichtig festzustellen, dass es in den Museen, wie sie heute in Berlin existieren, eine Dominanz der Geschichten über Männer gibt und eine Unterrepräsentation von Frauen, von trans* Personen und inter* Personen. Die Geschlechter sind nicht gleichwertig repräsentiert und ihre Geschichten werden nicht gleichermaßen gesammelt. Wenn sie dargestellt werden, gibt es immer wieder Stereotype, unter denen sie verhandelt werden: beispielsweise gibt es bei trans* und inter* Personen einen medizinischen Diskurs, in dem sie auf eine Leidens- oder auch eine medizinische Geschichte reduziert werden und nicht als handelnde politische Menschen sichtbar werden. Die Geschichte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, trans* und inter* Personen ist insgesamt eine unter-erzählte Geschichte. Was mir besonders wichtig ist, ist, dass queer nicht nur schwule Männer meint, sondern über Geschlecht und sexuelle Orientierung hinausgeht. Es ist ursprünglich ein Schimpfwort für Menschen, die nicht einer heterosexuellen, zweigeschlechtlichen monogamen Norm entsprechen. Es geht auch um Menschen, die Sexarbeit machen oder die BDSM praktizieren, um Klasse und Rassismus, um Schwarze, migrantische, QTBIPOC, Bisexuelle, trans* und inter* Personen. Das ist etwas, was häufig im Diskurs über queer unter den Tisch fällt: der intersektionale Blick auf Sammlungen, Ausstellungen und Institutionen. Ohne den geht es einfach nicht. Wir haben Museen, die in einer rassistischen, kolonialen Tradition stehen, die immer mit Geschlecht und Sexualität verschränkt sind. Also in dem Sinne möchte ich queeren als Teil einer dekolonialen und emanzipativen Praxis verstehen.

HH: Ja, „queeren“ bedeutet nicht nur eine bessere Repräsentation von der Vielfalt von Sexualität und Geschlecht, sondern es geht darum, heteronormative und binäre Setzungen infrage zu stellen. Und das ist nicht nur auf Ausstellungen bezogen oder auf das, was an die Öffentlichkeit kommuniziert wird, sondern betrifft alle Bereiche des Museums. Der Netzwerkcharakter von Museen Queeren Berlin bedeutet aber auch, dass Leute mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen darüber, was queeren heißt, zusammenkommen. Für die einen liegt der Schwerpunkt stärker darauf, eine größere Sichtbarkeit für bi, trans*, schwule, lesbische und inter* Geschichte, Identitäten und Kunst herzustellen. Andere setzen stärker auf eine Kritik an Kategorisierungen und den Mechanismen der „Inklusion“ und eindeutiger Sichtbarkeit im Museum. Es gibt unterschiedliche Strategien und ich denke, diese Vielfalt der politischen und inhaltlichen Positionen zeichnet das Netzwerk auch aus.

AG: Wer ist eingeladen, das Netzwerk mitzugestalten und wer nimmt denn tatsächlich an den Netzwerktreffen teil?

SO: Also, Leute kommen aus verschiedenen Denktraditionen und Richtungen. Ich komme aus einer queeren Praxis und einer queeren Alltagsrealität. Für manche ist das Engagement stärker mit einem theoretischen oder historischen Interesse verbunden. Das ist ja auch eine Qualität, dass wir sehr unterschiedliche Leute ansprechen, aus großen und kleinen Museen, Archiven und Gedenkstätten. Manche leiten Abteilungen, andere arbeiten in der Vermittlung, andere wiederum an der Uni, andere sind Freiberufler*innen, die Workshops geben, kuratorisch oder wissenschaftlich arbeiten. Es kommen auch immer wieder Volontär*innen, die ihre Institutionen verändern wollen. Eingeladen sind erst mal alle, die sich von unseren Zielen angesprochen fühlen.

HH: Oft sind es auch junge Mitarbeiter*innen, Volontär*innen oder Personen aus dem Mittelbau des Museums, die sich mit diesem Thema beschäftigen wollen und dann auf das Netzwerk stoßen und sich mit uns für ein einzelnes Projekt vernetzen. Da gibt es dann Lernprozesse, die wir mit dem Netzwerk begleiten. Es gibt Personen, die kontinuierlich dabei sind, auch weil sie die Möglichkeit haben, das in ihrer Arbeitszeit zu tun. Das Jugendmuseum in Schönberg hatte zum Beispiel das mehrjährige Modellprojekt „All included“ durchgeführt, das im Verlauf immer wieder vorgestellt und diskutiert wurde. Bei anderen Museen ist es so, dass mal ein einzelnes Projekt zu LSBTIQ gemacht wird und das war’s dann, dann wird zum nächsten Thema übergegangen. Denn so funktionieren ja leider auch oft Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Prekäre Arbeitsbedingungen und befristete Verträge verstärken das. Ich finde aber, die Qualität des Netzwerks ist, dass dieses Wissen und die Erfahrungswerte nicht verloren gehen, sondern geteilt werden und im besten Fall die Personen auch im Netzwerk bleiben und sich weiter einbringen.

AG: Ja, das ist eine Frage: Greift man nur Expertise und Wissen ab oder gibt man das Erlernte und seine eigenen Erfahrungen wieder zurück ins Netzwerk und lässt andere daran teilhaben? Inwieweit denkt Ihr, dass das Netzwerk Museen Queeren Berlin zu einer diskriminierungskritischen Arbeit im Museum beitragen kann?

HH: Diskriminierungskritische Arbeit ist ein Teil von Museen Queeren Berlin. Zum einen vernetzt, bestärkt und empowert es Personen, die sich vielleicht allein in ihrem Museum mit diesem Thema beschäftigen und sonst nicht viele Verbündete haben, um diese Themen anzugehen. Und es ist auch ein Raum, um Diskriminierung zu thematisieren, die wir selber erfahren oder die an unseren Museen passieren. Das Netzwerk trägt zum anderen dazu bei, vielfältige Expertisen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen und Austausch und Kritik untereinander zu ermöglichen. In der täglichen Museumsarbeit hat man ja selten die Möglichkeit, eigene Projekte – Ausstellungen, Sammlungsinitiativen, Vermittlungskonzepte – unter Kolleg*innen zur Diskussion zu stellen und die eigene Praxis kritisch zu hinterfragen. Ich denke, das trägt dazu bei, einen diskriminierungskritischen Blick zu schärfen, Auslassungen zu hinterfragen und zum Beispiel Kooperationen anders zu gestalten. Ich würde sagen, das Netzwerk trägt dazu bei, queere Themen in einer intersektionalen Perspektive als ein Teil diskriminierungskritischer Arbeit im Museum sichtbar zu machen.

SO: Es ist angenehm, einen Ort des Austauschs zu haben, an dem kollegial miteinander umgegangen wird. Viele Räume, Konferenzen und besonders Universitäten und Hochschulen sind ja sehr stark von Konkurrenz geprägt. Und dass es im Netzwerk eher ein gegenseitiges Unterstützen ist, empfinde ich als sehr positiv. Manche von uns arbeiten ja auch in heteronormativeren Settings als dem Schwulen Museum und sind ganz froh, wenn sie einfach mal in einem Raum sind mit anderen museum professionals, die verstehen, wovon gesprochen wird.

AG: Das, was ihr gerade benannt habt, sind genau die Elemente, wovon auch das lab.Bode und das Bode-Museum profitieren konnten. Auch ich persönlich, als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin, habe die Expertise und Unterstützung des Netzwerkes als extrem bereichernd erfahren. Für mich war die Arbeit im Netzwerk ein Empowerment-Prozess, der mich ungemein in der Idee bestärkte, ein queeres Bildungsprogramm im Bode-Museum zu entwickeln. Oft ist man gerade in kulturhistorischen Museen die erste, die probiert, solche Themen dort zu platzieren. Es gibt nicht sehr viele Kenntnisse oder Referenzen und oft wenig Expertise oder Bewusstsein im Haus, wenn man anfängt, so ein queeres Programm aufzubauen. Deshalb ist das wahnsinnig recherche- und forschungsintensiv, was man oft kaum in seinem Stellenvolumen leisten kann. Daher war ich total dankbar, auf das Netzwerk zu treffen. Es hat mir zum einen eine tolle freie Mitarbeiterin vermittelt, mit der ich „Let’s Talk about Sex!“ zusammen aufgebaut habe. Darüber hinaus war es ein Gewinn, dieses Bildungsprogramm dem Netzwerk vorstellen zu können und eine zugewandte, aber sehr kritische kleine Öffentlichkeit zu haben, um Feedback zu bekommen. Das Netzwerk ist ein ziemlich großer Pool an Expertise und Bestärkung. Das leistet das Netzwerk sehr gut, diesen – tatsächlich auch wissenschaftlichen – Austausch. Also danke dafür, es war spitze, auf das Netzwerk zu treffen!

HH: Danke Dir für Dein Engagement!

AG: Inwieweit kann das Netzwerk vielleicht auch strukturelle Veränderungsprozesse in Institutionen anstoßen oder sogar verankern?

SO: Ich finde, da hat das Netzwerk noch viel Potential. Aber die Tatsache, dass viele sich neben ihren eigentlichen Jobs engagieren, erschwert es ein bisschen. In der letzten Sitzung haben wir zum Beispiel mit Eylem Sengezer von Diversity Arts Culture und der Organisationsentwicklerin Lena Prabha Nising über diskriminierungskritische Personalpolitik gesprochen. Da ging es viel um Standards. Worauf muss man achten bei Ausschreibungen? Wie muss eine Betriebskultur aussehen, damit „diverse“ Leute nicht nur eingestellt werden, sondern dann auch bleiben? Ein anderes Mal haben wir über einen Leitfaden zu geschlechtergerechter Sprache von der Berlinischen Galerie diskutiert, der dann auch ein Vorbild sein kann für andere Häuser. Ich denke, dass wir in den Diskussionen über den nötigen Wandel der Museen in Berlin eine Stimme haben. Und wir schauen auch auf die gute Arbeit anderer kulturpolitischer Initiativen wie Berlin Postkolonial, Diversity Arts Culture, Berlinklusion und anderen.

AG: Ich fand die Netzwerkbeteiligung des Bode-Museums und von lab.Bode einen spannenden Prozess. Anfänglich habe ich als interessierte wissenschaftliche Mitarbeiterin am Netzwerk teilgenommen, aber das Bode-Museum stand noch nicht offiziell auf der Website des Netzwerks. Dann habe ich den Direktor des Museums gefragt, „Gibt es ein Bekenntnis, sind wir offiziell Teil des Netzwerkes?“ Und das heißt ja auch, das Museum bekennt sich zumindest zu einer Auseinandersetzung oder zu dem, was in dem Positionspapier des Netzwerks steht. Diese Themen in das Bewusstsein zu rücken, auch in Leitungsebenen von Institutionen, finde ich ganz wichtig. Ich finde, das können wir noch besser und stärker machen.

SO: Und gleichzeitig finde ich wichtig, dass wir uns nicht vereinnahmen lassen, weil es immer wieder auch Versuche gibt, von uns irgendwie ein Gratis-Programm zu bekommen. Also dass man auch eine Unabhängigkeit als Netzwerk behält.

HH: Ich würde auch sagen, dass es ambivalent ist. Wir machen ja jährlich eine große Veranstaltung in einem der beteiligten Museen und bringen damit ja auch die Museen dazu, Stellung zu beziehen. Dieses Bekenntnis zu diesem Thema kann dann wiederum von den Mitarbeiter*innen, die im Museum für Veränderungsprozesse kämpfen, genutzt werden. Das Netzwerk kann Museen aufzeigen, dass sie etwas dadurch gewinnen – so neoliberal das klingt –, sich diskriminierungskritisch zu positionieren und andererseits aber auch einfordern, dass es strukturelle Veränderungsprozesse gibt. Es ist sehr einfach für ein Museum zu sagen, wir sind Teil des Netzwerks, da gehört nicht viel dazu. Man kann es auf die eigene Webseite schreiben, aber gleichzeitig gar keine Ressourcen in das Netzwerk geben oder die Mitarbeiter*innen, die für die Institution an dem Netzwerk teilnehmen, trotzdem nicht in den Veränderungsprozessen unterstützen. Das ist eine Spannung, mit der wir umgehen müssen und wollen.

SO: Mit Corona haben wir jetzt überlegt, dass wir, wenn wir uns online treffen – was wir erstmal als Nachteil wahrgenommen haben – ja eine viel höhere Reichweite haben und auch Leute aus anderen Städten teilnehmen können. Die Diskurse sind auch wichtig für Leute, die relativ vereinzelt in kleinen Institutionen auf dem Land oder anderen Städten arbeiten. Das wollen wir in nächster Zeit stärker angehen, wie wir mehr Leute erreichen, bundesweit und im deutschsprachigen Ausland. Es ist auch eine Herausforderung, dass wir nicht wissen, wie es kulturpolitisch nach Corona weitergeht. Wenn die politische Lage sich ändert, dann könnten diese Themen wieder stärker marginalisiert werden.

HH: Generell versuchen wir weitere Museen in Berlin dazu zu bewegen, sich kontinuierlich an dem Netzwerk zu beteiligen und sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Ein weiteres Ziel ist das Verknüpfen mit anderen Initiativen für Veränderung im Museumsbereich in Berlin, also zum Beispiel der dekoloniale und behinderungspolitische/DisabilityAktivismus. Wir wollen uns als Netzwerk stärker mit diesen Akteur*innen vernetzen und schauen, wie diese Themen bei Museen Queeren ein Rolle spielen und andersherum. Auch die Diskussionen, die derzeit in den Museen unter dem Begriff Gender geführt werden, sind für uns natürlich wichtige Bezugspunkte.

AG: Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

HH: Ich finde, eine bleibende Herausforderung ist der Mangel an Beschäftigung mit queeren Themen in Berliner Museen. Angesichts der langen Geschichte des queeren und feministischen Aktivismus und der großen LSBTIQ Community in Berlin ist die geringe Anzahl der Berliner Museen, in denen diese Themen explizit verhandelt werden, immer noch ein Ding der Unmöglichkeit. Ich würde mir wünschen, dass das nicht länger als Randthema angesehen wird, sondern als Querschnittsaufgabe.

SO: Und dass nicht nur Opfergeschichten erzählt werden. Wir interessieren uns nicht nur für die Verfolgten und Geschlagenen, wir interessieren uns auch für die, die leben, queer lieben, kämpfen und glücklich sind.

AG: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Interessierte können sich auf der Website www.museen-queeren.de über die nächsten Treffen, aktuelle Termine und Materialien zu LSBTIQ* und Museen informieren. Kontakt: info[a]museen-queeren.de

Andrea Günther

Let’s Talk about Sex and Art!

Wie und warum wir im Museum über Gender und vielfältige sexuelle Lebensweisen sprechen sollten

Welchen Beitrag können Kunst und Kunstvermittlung bei der Beschäftigung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen leisten? Wie können Kulturinstitutionen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und welche Werkzeuge müssen kulturelle Bildungsarbeiter*innen entwickeln, um der Diversität und der sich wandelnden sozialen und kulturellen Zusammensetzung von Gesellschaft adäquat begegnen zu können?

Diese Fragestellungen sind leitende Motive von lab.Bode – Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen1. Das 2016 von der Kulturstiftung des Bundes und den Staatlichen Museen zu Berlin initiierte Programm soll Veränderungsprozesse in den Museen anstoßen, um diese für ein breiteres Publikum zugänglicher und attraktiver zu gestalten. Ziel ist es, vor allem jungen Museumsnutzer*innen neue Zugänge zu musealen Inhalten zu ermöglichen, etwa indem aktuelle soziale und politische Themen aufgegriffen und mögliche Anknüpfungspunkte in historischen Sammlungen identifiziert werden. Die kulturellen Bildungsangebote im Schulprogramm von lab.Bode finden meist in Form von Projektwochen mit den neun Berliner Partnerschulen2 statt. Diese experimentellen Formate, die aus Fragen und Interessen der teilnehmenden Schüler*innen und Lehrer*innen hervorgehen, werden zum Teil auch in kürzere Workshop-Formate übertragen3, die dann von allen Schulen und nicht nur von den Partnerinstitutionen gebucht werden können. Eines dieser im Rahmen von lab.Bode entwickelten interdisziplinären Formate ist „Let’s Talk about Sex! Gender und vielfältige sexuelle Lebensweisen in der Kunst“4. Der vorliegende Textbeitrag gibt Praxiseinblicke in dieses sexpositive und diskriminierungskritische Bildungsprogramm, welches seit 2018 als kostenloser Projekttag für Jugendliche im Bode-Museum5 durchgeführt wird.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung, Vermittlung und Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin bin ich seit 2016 Teil des lab.Bode-Schulteams und verantwortlich für die Entwicklung, Qualitätssicherung und Koordination von Schulprojekten und buchbaren Vermittlungsangeboten im Bode-Museum. In dieser Rolle war ich maßgeblich daran beteiligt, „Let’s Talk about Sex!“ als Programm zu initiieren, inhaltlich zu entwickeln, in der Praxis mit Fokusgruppen zu erproben und diskriminierungserfahrene Sexualpädagog*innen und Kunstvermittler*innen für die Workshopumsetzung zu gewinnen.

Im Folgenden stelle ich verschiedene Aspekte der Entwicklung und Umsetzung des Programms vor. Zunächst werden Beobachtungen aus der Projektarbeit mit Schulklassen beschrieben, welche spezifische Bedürfnisse der jungen Museumsnutzer*innen abbilden, sich im Bode-Museum mit Themen rund um Körperbilder, Nacktheit, Gender und Pornografie zu beschäftigen.

Vielfältige sexuelle und geschlechtliche Lebensweisen sind in Deutschland gesellschaftliche Realität und Teil der sozialen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen (vgl. Hartmann 2018: 20). Für die auf Menschenrechten und Demokratie basierende Institution Museum sollte es daher selbstverständlich sein, systematisch darauf zu achten, die Vielfalt der Gesellschaft im Blick zu haben und sich über vielfältigere Angebotsformate einem diversen Publikum zuzuwenden (vgl. Nettke 2018: 49f.). Ebenso sind Lust und Begehren Themen, die in all ihren Facetten und Spielarten in der Kunst immer wieder aufs Neue verhandelt wurden und werden. „Geschlecht und Sexualität als grundlegende Modi menschlicher Vergesellschaftung und als immanente Elemente der Geschichte spielten in Museen schon immer eine Rolle“ (ebd.: 50).
In der lab.Bode-Projektarbeit mit Schulen in der Skulpturensammlung des Bode-Museums ist sexuelle Vielfalt ein virulentes Thema. Dies tritt immer wieder zu Tage – entweder versteckt in Unsicherheiten und damit verbunden durch homophobe Äußerungen oder durch Jugendliche, die sich im Prozess der Schulprojektwochen outen und ein Bedürfnis zur Auseinandersetzung mit ihrer Identität und gesellschaftlicher und historischer Einordnung derer und gewachsenen Normen äußern/zeigen. Daher war es lab.Bode besonders wichtig, in der Bildungsarbeit unter anderem heteronormative Lesarten von Kunstwerken in Frage zu stellen und gleichzeitig queere Erzählweisen in die Kunstvermittlungsformate einzubauen.

Unter diesen Aspekten galt es, die Skulpturensammlung im Bode-Museum neu zu untersuchen. Wichtig war lab.Bode bei der Neusichtung der Sammlungsobjekte, die Reproduktion von Heteronormativität und binärer Geschlechterrepräsentation zu adressieren und in unserem Bildungsauftrag die Perspektive der sozialen Gerechtigkeit und Diversität umzusetzen, wie das etwa Museumsforscher Richard Sandell fordert (vgl. Sandell 2002). Diskriminierung sowie ein Mangel an Informationen und role models machen es schwulen, lesbischen, bi- und pansexuellen, queeren sowie asexuellen und aromantischen Kindern und Jugendlichen schwer, ihre sexuellen und romantischen Orientierungen und Begehren zu erkennen beziehungsweise anzuerkennen; zumal ihre Lebensweisen medial und in Schulbüchern meist nur einseitig verzerrend, unter den Vorzeichen eines Problems oder gar nicht auftauchen. Dies beeinträchtigt ihre Bildungsteilhabe erheblich (vgl. Debus/Laumann 2018: 53). So wird in vielen pädagogischen Zusammenhängen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt nicht mitgedacht und auch in kulturellen Bildungsprojekten gehören Heteronormativität und Heterosexismus leider noch zur Regel. Dies führt zu Ausschlussmechanismen und Diskriminierung marginalisierter Gruppen, auch in der Bildungsarbeit im Museumskontext. „Die Vermittlung von Wertschätzung der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt sowie anderer Formen von Vielfalt in der Gesellschaft ist somit Teil des Bildungsauftrages, mit denen Museen ihren Dienst an der Gesellschaft verrichten“ (Nettke 2018: 50). lab.Bode setzt daher einen Schwerpunkt auf macht- und diskriminierungskritische Vermittlungsarbeit, etwa auch auf sexualitätsbezogene Inhalte und deren visuelle Repräsentationen.

In Folge stelle ich den Entstehungsprozess von „Let’s Talk about Sex!“ anhand der bisherigen Entwicklungsschritte vor, um dann konkrete Einblicke in Methodik und Objektbezug im Rahmen der Umsetzung des Workshopangebots zu geben. Abschließend werden sowohl inhaltliche und strukturelle Herausforderungen beleuchtet und reflektiert als auch ein Ausblick auf die Weiterentwicklung und mögliche Verstetigung des Programms am Bode-Museum gegeben.

„Warum sind die alle nackt?“ und „Warum gibt es kein FSK6 fürs Museum?“: Worüber junge Besucher*innen sprechen möchten

Das Bode-Museum ist mit seinen Skulpturbeständen vor allem ein Museum des Menschen, und Schüler*innen nehmen die Kunstwerke stark in ihrer physischen Erscheinung und körperlichen Präsenz war. Nacktheit und Geschlechterrollen werden daher oft beim Besuch der Sammlungen thematisiert. Die Bedürfnisse der Schüler*innen zur Auseinandersetzung mit den Kunstwerken sind dabei häufig Themen außerhalb des kanonischen kunsthistorischen Kontexts. Zur näheren Beleuchtung der Reaktionen von Kindern und Jugendlichen auf die Sammlungen des Bode-Museums stelle ich hier drei markante Beispiele vor, welche unter anderem initiierende Auslöser für die Entwicklung eines sexualpädagogischen Workshopangebots im Museum waren.

Ein interessanter Aspekt, der uns in den Ergebnissen auffiel, war, dass zum Beispiel einige Herkulesskulpturen einen Faltenrock verpasst bekamen und viele Besucher*innen die Möglichkeit nutzten, um eine spielerische Auflösung von geschlechtlich normierter Mode an den Skulpturen auszuprobieren.

Die Projektwoche einer 9. Klasse des Thomas-Mann-Gymnasiums mit dem Titel „Periodensystem Kunst“ gab Anlass, die Sammlung des Bode-Museums zu untersuchen und neu zu ordnen. Die Schüler*innen waren aufgefordert, passende Ordnungssysteme und Kategorien für die vorgefundenen Kunstwerke zu erstellen. Angelehnt an bereits bestehende Interessen und Betrachtungsschwerpunkte entwickelten die Schüler*innen folgende Kategorien: Form, Material, Emotionen und FSK. Der Saal mit Barockbronzen beschäftigte die Schüler*innen dabei besonders, da diese vor allem Akte, Gewalt- und „Raub“- (engl. Übersetzung rape) Szenen zeigen.

In diesem Zusammenhang wollten sie das Thema Jugendschutz in Verbindung mit der Fragestellung rund um eine scheinbare Normalisierung von Gewalt- und Erotikdarstellungen im Bode-Museum verhandeln. Es kamen bei den Jugendlichen Diskussionen darüber auf, ob auch kulturhistorische Darstellungen und Kunstwerke nicht trotzdem „pornografisch“ sein können. Folglich führten sie als Feldforschung im Museum dazu Interviews mit Besucher*innen durch, in denen unter anderem folgende Fragen gestellt wurden: „Würden Sie Ihren Kindern oder Enkelkindern diese Skulpturen zeigen? (Antwort: Ja natürlich.) Finden Sie nicht, das ist zu gewaltreich oder sogar pornografisch?“7 Die Ergebnisse ihrer Forschung, in Form aufgezeichneter Dialoge, wurden zu einer 8-Kanal-Soundinstallation zusammengestellt, in der folgende Fragen im Zentrum stehen: Was unterscheidet historische Kunstwerke von Pornografie? Und sollte es eigentlich auch eine FSK fürs Museum geben? Die auf diese Weise kreierte Sound-Landschaft verknüpften die Schüler*innen mit einer visuellen Ausgestaltung des Raums: Fotos von Skulpturen aus der Museumssammlung an den Wänden erzählten in Zusammenspiel mit der akustischen Gestaltung des Raumes neue Geschichten. Je nach Position der Rezipient*innen im Raum konnten ganz unterschiedliche akustisch-visuelle Eindrücke entstehen. Auf diese Weise wurde eine alternative Ebene der Sammlungsrezeption kreiert, die Themen und Wahrnehmungen anbot, die im Museum bisher kaum inhaltlich repräsentiert oder reflektiert waren.8

Einen weiteren Anlass für eine vertiefende Auseinandersetzung mit Gender und sexualitätsbezogenen Inhalten gab das Trickfilmprojekt9 der Grunewald-Grundschule. Hier wechselt zum Beispiel der Heilige Georg ohne Probleme sein Geschlecht und wird im Film Nina vs. Drache zur Prinzessin. Auch das Erscheinungsbild mancher Ritterdarstellungen gab den Schüler*innen in dem Projekt immer wieder Anlass für Diskussionen darüber, ob die Ritter Make-up tragen und wer das eigentlich tragen „darf“. Diese Beobachtungen warfen Fragestellungen rund um Gender und Genderperformance auf und initiierten Gespräche zu diesen Themen. Dies sind nur einige wenige Beispiele des vielfältigen Auseinandersetzungsbedarfs von Kindern und Jugendlichen in Reaktion auf die Sammlungen des Bode-Museums. Nach über zwei Jahren Programmlaufzeit zeigt sich eine Notwendigkeit besonders deutlich:

Die Kinder und Jugendlichen wollen im Zuge der Werkbetrachtung über für sie ganz offensichtlich sammlungsimmanente Themen wie Nacktheit, Sexualität und Geschlechterrollen in Austausch treten.

Workshopangebot „Let’s Talk about Sex!“

Den Impulsen der Schüler*innen folgend, nutzten wir die forschende Ausrichtung von lab.Bode, um ein Bildungsformat zu entwickeln, welches die Fragen und Kommentare der Jugendlichen ernst nimmt und diskriminierungssensibel in den Museumskontext einbettet. Die Entwicklung des Workshops fand vorerst in drei Phasen statt. Die erste Phase bestand aus Recherchen und Austausch zu möglichen bereits existierenden Programmen und Initiativen in diesem Bereich an anderen Museen. Hervorzuheben ist in dieser ersten Phase meine Teilnahme an der Tagung „VieL*Bar – Vielfältige geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen in der Bildungsarbeit (nicht nur) im Museum“ im Januar 2018, welche wegweisend für die Entstehung des Workshops am Bode-Museum war. Die Tagung bot nicht nur interessante Einblicke und Erkenntnisse in das gleichnamige Praxisforschungsprojekt10, sondern ermöglichte auch den Austausch und die Vernetzung mit (Sexual-)Pädagog*innen und Museumspraktiker*innen, die ähnliche Anliegen verfolgen. So folgte im Mai 2018 ein Besuch am British Museum in London, verbunden mit einer Einladung, bei der Durchführung des von Chloe Chooper und Melany Rose konzipierten „Sex and Relationship“-Workshops11 zu hospitieren. In der zweiten Phase wurden die Sexualpädagogin Taina Engineer sowie die Künstlerin und Kunstvermittlerin Pauline Recke damit beauftragt, ein erstes Strukturkonzept für einen Tagesworkshop zu entwickeln. In der dritten Phase wurde der Workshop mit einer Fokusgruppe, einer 8. Klasse, getestet, um qualitatives Feedback (verbal und anonym/schriftlich) einzuholen. Die Auswertung dessen wurde anschließend für die Überarbeitung und Schärfung des Workshops genutzt. Seit September 2018 wird der Projekttag als kostenloses Workshopangebot für Schulen im Bode-Museum durchgeführt.12

Didaktische Materialien und Literatur, die bei „Let’s Talk about Sex!“ zum Einsatz kommen © lab.Bode / Ute Klein, 2018

Ausgehend von den Kunstwerken des Bode-Museum werden im gemeinsamen Dialog mit Schüler*innen im Alter von 11 bis 16 Jahren aktuelle Fragen zu Körperbildern, Konsens und LSBTIQ+ identifiziert und verhandelt. Der Workshop kombiniert Kunstvermittlungsmethoden13 wie performative Übungen, Comics und Zeichnungen mit didaktischen Materialien und Arbeitsweisen aus der Sexualpädagogik und wird von einem Tandemteam, bestehend aus Sexualpädagog*in und Kunstvermittler*in, durchgeführt. Dabei bilden Skulpturen immer den Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit einem neuen Themenkomplex. Die Werkbetrachtung bietet die Möglichkeit, Schwellenängste abzubauen und auch über sensible Themen ins Gespräch zu kommen, ohne dass über sich selbst gesprochen werden muss. Durch eine gemeinsame Analyse der Objekte können Themen in einen historischen Kontext eingebettet und ihre Bedeutung verbildlicht werden. Aktuell werden anhand von sechs Stationen die folgenden Schwerpunkte verhandelt: Konsens, Lust und Bergehren (LSBTIQ+), Nacktheit und Körperbilder, Mythos „Jungfernhäutchen“, Sex-Shaming, Geschlechternormen und Genderperformance.

lab.Bode-Themenfächer und sexualpädagogische Materialien © lab.Bode / Ute Klein, 2018

Der Workshop beginnt mit einer kurzen Begrüßung und einer Vorstellung der beiden Workshopleiter*innen. Es folgt eine Vorstellungsrunde von allen mit einer „Ice-Breaker“-Methode14. Anschließend werden die Rahmenbedingungen vor- und Regeln für den Workshop aufgestellt: zum einen Regeln, die wichtig sind, wenn in einer Gruppe über Sexualität gesprochen wird15, zum anderen Regeln, die bei einem Museumsbesuch16 generell einzuhalten sind. Diese Regeln werden auf Flipcharts festgehalten und können von den Jugendlichen ergänzt werden. Da es sich bei „Let’s Talk about Sex!“ um ein sexualpädagogisches Angebot handelt, ist die Teilnahme der Jugendlichen auf freiwilliger Basis wichtig. Das heißt, dass die Teilnehmenden den Workshop zwischendurch oder auch ganz verlassen dürfen, wenn sie merken, dass sie ein Thema psychisch belastet.17 Dies ist verbunden mit einem wichtigen Lernaspekt zum Thema Sexualität: Jugendliche sollen befähigt werden, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und wahrzunehmen. Des Weiteren gilt das Gebot der Schweigepflicht, das den Jugendlichen zu Beginn des Workshops kommuniziert wird. Über einzelne Schüler*innen werden im Nachhinein also keine persönlichen Details weitergegeben. Diese Regel tritt nur außer Kraft, wenn der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung besteht. Die allgemeine Gruppenstimmung im Workshop sowie Themen und Inhalte können natürlich geteilt werden. Am Ende der Vorstellungsrunde unterschreiben die Workshopleitenden sowie die Jugendlichen die Flipcharts mit den Workshopregeln als Zeichen der Zustimmung und gemeinsamen Vereinbarung.
Für den Workshop werden die teilnehmenden Schulklassen (mit Klassengrößen von meist 24 bis 31 Schüler*innen) in zwei Gruppen geteilt, da sich in der Praxis herausgestellt hat, dass eine reduzierte18 Teilnehmer*innenzahl von maximal 15 Schüler*innen pro Gruppe notwendige Grundlage ist, damit die Teilnehmer*innen sich über sexualitätsbezogene Themen in einem geschützteren Raum austauschen und die Workshopleiter*innen die einzelnen Teilnehmer*innen angemessen begleiten können. Alle Gruppen durchlaufen in ihrem vierstündigen Workshop vier der sechs Stationen, wobei bedarfsorientiert auf die Gruppe reagiert wird und sie je nach Interessensbekundungen zum Teil unterschiedliche Themenblöcke intensiver kennenlernen. Die Station zum Konsensprinzip ist jedoch immer Teil des Workshops.

Ausgehend von einer Skulptur, die Satyr und Nymphe zeigt, wie sie nackt miteinander interagieren, wird das Thema Konsens behandelt. Ausgangspunkt ist eine Werkbetrachtung, in der die Schüler*innen beschreiben, was sie sehen und wie sie die dargestellte Situation beurteilen würden. Als Einstieg in die Einheit widmet sich die Workshopgruppe gemeinsam einer Begriffsklärung: Was ist Konsens? Haben die Teilnehmer*innen Beispiele für Konsens? Wieso ist Konsens wichtig? Wieso ist Konsens sexy? Dann folgt eine praktische Aufgabe: Die Jugendlichen erhalten einen vorgezeichneten Comic, der Satyr und Nymphe mit leeren Sprechblasen zeigt. Sie werden gebeten, die Sprechblasen der Comic-Vorlage zu füllen. Es geht darum, eine Sprache zu finden, um über Grenzen und Zustimmung zu kommunizieren. Sie können in diesem Comic selbst einen Dialog entwickeln, der eine konsensuelle Situation darstellt. Danach tauscht sich die Gruppe gemeinsam über die Ergebnisse aus.

Konsens – Comic-Vorlage © lab.Bode / Ute Klein, 2018

Lust und Begehren (LSBTIQ+)

In diesem Block geht es um Lust, Begehren und ihre Vielfältigkeit. Welche Formen von Begehren gibt es und was bedeutet LSBTIQ+ (lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, intergeschlechtlich, queer)? Hierbei soll die individuelle Wahrnehmung von Lust und Begehren aufgezeigt werden. Die Schüler*innen werden in Kleingruppen aufgeteilt, mit iPads ausgestattet und gebeten, im Museum Darstellungen von Lust und Begehren zu finden und zu fotografieren. Die Objektfotos dienen als Ausgangspunkt für einen Dialog über vielfältige Ausdrucksformen von Sexualitäten. An einer Wand wird mit Kreidemarkern eine Sammlung von Begriffen erstellt, die im Gespräch rund um Liebe, Lust und Begehren aufkommen. Alle Teilnehmenden bekommen einen bunten Marker und dürfen selbst die Wand mit ihren Begriffen „taggen“, was immer sehr enthusiastisch aufgenommen wird und schnell eine große Begriffssammlung und Diskussion darüber zustande bringt.

Gemeinsame Begriffssammlung „Liebe, Lust & Begehren“ mit Schüler*innen einer 7. Klasse © lab.Bode / Ute Klein, 2018

Mythos „Jungfernhäutchen“

Mutter Gottes mit Papagei, unbekannt, Burgund ca. 1440 © lab.Bode / Ute Klein, 2020

Anhand einer Statue der „Jungfrau“ Maria wird das Thema der „Jungfräulichkeit“ behandelt. In der Workshopgruppe wird gemeinsam darüber gesprochen, welche gesellschaftlichen Erwartungen und Vorstellungen sich an diesem Begriff festmachen. Außerdem stellen die Sexualpädagog*innen an dieser Stelle die anatomische Beschaffenheit des Hymens – das sogenannte Jungfernhäutchen – vor und räumen mit dem Mythos auf, dass diese dünne Schleimhaut etwas über sexuelle Aktivitäten von Menschen aussagen kann. An dieser Station arbeiten wir mit anatomischen Modellen von Hymen.

Sexualpädagogische Materialien im Einsatz: anatomische Modelle von Hymen © lab.Bode / Ute Klein, 2020

Sex-Shaming

Anhand einer Memento Mori-Figur, welche Wollust als eine der sieben Todsünden darstellt, wird über Sex-Shaming und seine historische Verankerung in Kunstwerken gesprochen. Dieses Thema wird anhand der Werkanalyse einer Figurengruppe behandelt, die auf der einen Seite den Tod abbildet und auf der anderen Seite eine junge nackte Frau, die auf ihre Vulva deutet. Die Darstellung sollte zur Entstehungszeit vermutlich eine abschreckende Wirkung haben und verdeutlichen, dass Wollust und „Unkeuschheit“ den Tod nach sich ziehen. Die Workshopleiter*innen besprechen anschließend Aspekte der Selbstbestimmung und diskutieren darüber, ob den Jugendlichen in Darstellungen oder Erzählungen Unterschiede zwischen den Gendern auffallen. Wir wollen aufdecken, dass einige ganz aktuelle Phänomene wie zum Beispiel Slut-Shaming historisch gewachsene patriarchale Diskriminierungspraxen sind, die es als solche zu hinterfragen und zurückzuweisen gilt.

Nacktheit und Körperbilder

Ausgehend von einer Skulptur, welche Venus und Amor nackt zeigt, sprechen wir über idealisierte Körper in der Kunst. Dann betrachten wir die Skulptur gemeinsam. Es fällt auf, dass alles sehr detailgetreu gearbeitet ist, bis auf eine Leerstelle: die Vulva. Gemeinsam nimmt sich die Workshopgruppe dem Thema an, wobei die Workshopleiter*innen darauf aufmerksam machen, dass Penisse in der Gesellschaft oft viel präsenter sind als Vulven. Jugendlichen fällt es meist leicht, einen Penis zu zeichnen; bei der Vulva sieht das hingegen ganz anders aus. In einer praktischen Übung können die Jugendlichen, wenn gewollt, eine Vulva zeichnen. Danach sprechen wir mit Hilfe von sexualpädagogischen Modellen über die anatomische Beschaffenheit von Vulva und Vagina.

Comic „Leerstelle“ Aphrodite mit eingezeichneter Vulva (Schülerzeichnung) © lab.Bode, 2019

Je nach Bedarf der Schüler*innen wird an dieser Stelle auch über die Größenvariationen von Penissen gesprochen. An dieser Stelle geben die Workshopleiter*innen den Hinweis darauf, dass für sicheren Geschlechtsverkehr mit Kondomen die Kondomgröße unbedingt zur Penisgröße passen muss. Bei Interesse wird an Penismodellen demonstriert wie ein Kondometer19 benutzt werden kann.

Geschlechterrollen und Genderperformance

In diesem Block sollen folgende Fragen geklärt werden: Was bedeutet Geschlecht und Geschlechtsidentität? Was bedeuten die Begriffe Trans* und Inter*? Welche Zuschreibungen und Reproduktionen von Geschlechterverhältnissen finden wir hier?

Zur Annäherung an das Thema, kommt das Mittel der inszenierten Fotografie zum Einsatz. Das heißt, die Schüler*innen werden darum gebeten, sich gemeinsam in die Pose von verschiedenen Skulpturen zu begeben. Dies passiert mit vier verschiedenen Skulpturen: jeweils mit zwei unterschiedlichen Darstellungen von Weiblichkeit und von Männlichkeit.

Im Anschluss werden die Bilder gemeinsam angeschaut und zusammen reflektiert. Leitfragen dabei sind: Was hat das bei euch ausgelöst? Wie habt ihr euch beim Posieren gefühlt? Das Erlebte wird mit Hilfe der Fotos im Workshopraum besprochen. Danach werden die Schüler*innen gebeten den Skulpturen mit Hilfe von Adjektiven20, die auf Karten stehen, Eigenschaften zuzuordnen. Abschließend wird über die konstruierten Charaktere von Geschlechterperformance diskutiert. Ziel ist es an dieser Stelle, unterschiedliche Geschlechterperformances zu beleuchten und eindimensionale, stereotype Vorstellungen von Geschlechterrollen in Frage zu stellen.

Herausforderungen sexualpädagogischer Arbeit im Museum

Nach eineinhalb Jahren Praxiserprobung und dem Aufbau eines zehnköpfigen Teams von freien Mitarbeiter*innen, bestehend aus Sexualpädagog*innen und Kunstvermittler*innen, ist lab.Bode gemeinsam mit einer Fokusgruppe21 nun im Prozess der Rückschau und der Reflexion mit dem Ziel der erneuten Schärfung der Workshopziele und Methoden des Vermittlungsangebots. Abschließend benenne ich die aktuellen inhaltlichen Zielsetzungen von „Let’s Talk about Sex!“ sowie die Herausforderungen, mit denen das Programm auf struktureller Ebene konfrontiert ist.

Inhaltlich geht es im Moment sowohl um die Überarbeitung von Zielformulierungen der einzelnen Stationen des Workshops als auch um klare Definitionen von sexualpädagogischen und politischen Begrifflichkeiten und Inhalten: Wie können intersektionale und postkoloniale Aspekte in eurozentrischen Sammlungen adressiert und verhandelt werden? Wie gehen wir mit zeitgenössischen Definitionen und Sprache in Auseinandersetzung mit historischen Sammlungen und Objekten um? Wie kann (ungeschriebene) queere Geschichte in kulturhistorischen Sammlungen identifiziert und wie können diese Leerstellen durch Vermittlung adressiert und mit Publikum reflektiert werden? Die Fokusgruppe bestehend aus Kunstvermittler*innen, Kulturhistoriker*innen und Sexualpädagog*innen erarbeitet entlang dieser Fragestellungen Werkzeuge, die „Let’s Talk about Sex!“ über lab.Bode hinaus erhalten und weiterentwickeln sollen.22

Besonders wichtig in der Arbeit mit Jugendlichen ist lab.Bode der Grundsatz einer diskriminierungskritischen Bildungsarbeit. In den Bildungsangeboten wird dafür sensibilisiert, diskriminierende Sprechweisen nicht zu reproduzieren und Othering durch Workshopleitende wie Teilnehmende zu vermeiden. Dazu hat lab.Bode aktuell gemeinsam mit Felicia Rolletschke, Pauline Recke und Nicola Lauré al-Samarai ein Glossar mit politischen wie sexualpädagogischen Begriffsklärungen und Sprechweisen überarbeitet und allen anderen Workshopleiter*innen als Handreichung zur Verfügung gestellt. Ein wichtiges Werkzeug für die Qualitätssicherung eines solchen interdisziplinären Vermittlungsprogramms sind sicherlich die Informationsveranstaltungen für die Workshopleiter*innen. Dort werden Workshopziele kommuniziert und diskriminierungssensible Pädagogikansätze vermittelt. Auf struktureller Ebene ist dahingehend die größte Herausforderung an der Durchführung des Workshopangebots „Let’s Talk about Sex!“, dass die Workshops und Bildungsangebote von freien Mitarbeiter*innen auf Honorarbasis durchgeführt werden. Durch diesen Umstand ist die Bildung und der Erhalt eines qualifizierten und diskriminierungserfahrenen Teams von Sexualpädagog*innen und Kunstvermittler*innen durchaus schwierig. Zum einen sind es Sexualpädagog*innen in Berlin gewohnt, zu ganz anderen Konditionen zu arbeiten und setzen generell einen höheren Stundensatz an als das festgesetzte SMB-Honorar für freie Vermittler*innen. Daher ist die Mitarbeit für viele Sexualpädagog*innen finanziell nicht attraktiv, da sie zusätzlich ein hohes Maß an inhaltlicher Einarbeitung in den Museumskontext erfordert. Außerdem ist es für viele Sexualpädagog*innen ungewohnt oder teils auch nicht denkbar, in einem öffentlichen Raum wie dem Museum sexualpädagogische Bildungsformate anzubieten. Zum anderen verlangt die freie Mitarbeit Flexibilität bezüglich Einsatztagen, Zeiten und Teamzusammensetzung. Dies macht Vertrauensbildung und gut eingespieltes Zusammenarbeiten der Tandemteams schwierig. Es widerspricht auch dem Bedürfnis einiger freien Mitarbeiter*innen, Möglichkeiten für Teamzusammenhalt und Kollegialität zu schaffen. Fortbildungen und Informationsveranstaltungen können ausschließlich auf freiwilliger Basis angeboten werden, was die Qualitätssicherung des Programms erschwert.

Weitere Herausforderungen stellen sich in der Auswahl und Zusammenarbeit mit den Kunstvermittler*innen. Diese müssen sowohl inhaltlich mit der Sammlung und den kunstgeschichtlichen Hintergründen vertraut sein als auch das Interesse und die Fähigkeit haben, anhand der Skulpturen mit Schüler*innen über sexualpädagogische Themen ins Gespräch zu kommen.

lab.Bode versucht durch gut aufgearbeitete Leitfäden, welche sowohl die Workshopinhalte, Begriffsklärungen und mögliche Herausforderungen klar darstellen, grundlegende Qualitätsstandards an freie Mitarbeiter*innen zu vermitteln. Dies erfolgt, verbunden mit Literaturempfehlungen und dem Zugang zu Fachtexten, in der lab.Bode Bibliothek.23
Trotz der erwähnten strukturellen Herausforderungen hat lab.Bode es geschafft, ein engagiertes, diverses und wachsendes Team zu motivieren, das Workshopangebot „Let’s Talk about Sex!“ seit eineinhalb Jahren regelmäßig mit einer Vielzahl von Schulklassen im Museum durchzuführen und dabei achtsam, kritisch und offen für inhaltliche und methodische Weiterentwicklungen zu bleiben. Im letzten Jahr von lab.Bode geht es stark um Reflexion der einzelnen Programmteile. Im Hinblick auf „Let’s Talk about Sex!“ wird vor allem die Schnittstellen zwischen intersektionaler Pädagogik, queering collections und kritischer Kunstvermittlung Kern der Auseinandersetzung sein. Dahingehend ist es lab.Bode wichtig, mit dem Workshopangebot „Let’s Talk about Sex!“ im Bode-Museum ein Beispiel dafür zu setzen, dass queere diskriminierungskritische Bildungsarbeit in allen gesellschaftlichen Institutionen und Systemen möglich und notwendig ist und dass Bildung, wo immer sie stattfindet, diskriminierungssensibel und heteronormativitätskritisch praktiziert werden kann.

Fußnoten
  1. Mit einem Vermittlungslabor am Bode-Museum in Berlin und einem bundesweiten Volontärsprogramm an 23 weiteren Institutionen soll modellhaft gezeigt werden, was Vermittlungsarbeit an Museen auszeichnet und was sie bewirken kann (Kulturstiftung des Bundes o. J.: o. S.).
  2. Die Partnerschulen sind folgende: Athene-Grundschule, Barnim-Gymnasium, B.-Traven-Gemeinschaftsschule, Grunewald-Grundschule, Gustav-Langenscheidt-Schule, Herder-Gymnasium, Schule am Rathaus, Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule und Thomas-Mann-Gymnasium.
  3. Als kostenlose Angebote konzipiert, geben die 180 bis 240 Minuten langen Workshops Schulklassen aller Altersstufen die Möglichkeit, das Bode-Museum aus neuen Perspektiven kennenzulernen.
  4. Der vollständige Programmtitel wird im folgenden Text mit „Let’s Talk about Sex!“ abgekürzt.
  5. Das Bode-Museum auf der Museumsinsel in Berlin beherbergt die Skulpturensammlung, das Museum für Byzantinische Kunst und das Münzkabinett. Es präsentiert europäische Skulptur und Malerei des 13. bis 18. Jahrhunderts aus den deutschsprachigen Ländern sowie aus Italien, den Niederlanden, Frankreich und Spanien. Das Museum für Byzantinische Kunst besitzt Kunstwerke und Alltagsgegenstände vom 3. bis zum 15. Jahrhundert aus allen Gegenden des antiken Mittelmeerraumes, des oströmischen Reiches und des spätantiken Ägyptens (Staatliche Museen zu Berlin o. J.: o. S.).
  6. Die Abkürzung FSK steht für „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“, deren Hauptaufgabe in der Prüfung der Altersfreigabe von Filmen besteht, wobei die Rechtsgrundlage dafür die jeweiligen Jugendschutzgesetze darstellen (vgl. Wikipedia 2020).
  7. In dieser Frage der Schüler*innen erscheint Pornografie geradezu als Steigerungsform von Gewalt. Nicht-konsensuelle sexuelle Handlungen – wie sie häufig in Pornos und auch in den Abb. 5 und 6 dargestellt sind – als solche zu benennen, ist im Sinne der klaren Unterscheidung von einvernehmlichem Sex und Gewalt eine wichtiger Aspekt von Präventionsarbeit. Dass jedoch nicht jede pornografische Darstellung gewaltvoll ist, ist ebenso eine wichtige Information für Heranwachsende, damit ein selbstbestimmter Umgang mit diesen Inhalten möglich wird.
  8. Projektdokumentation und Audiocollage sind auf der lab.Bode-Website verfügbar (lab.Bodea o. J.: o. S.).
  9. Projektdokumentation und Trickfilme sind auf der lab.Bode-Website verfügbar (lab.Bodeb o. J.: o. S.).
  10. Bei der Tagung wurden Ergebnisse des interdisziplinären Praxisforschungsprojekts „VieL*Bar: Vielfältige geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen in der Bildungsarbeit – Didaktische Potentiale und Herausforderungen museumspädagogischer Zugänge“ vorgestellt, das seit April 2016 an der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin durchgeführt wird. Eine Dokumentation der Tagung ist online verfügbar (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin 2018: o. S.).
  11. Eine Übersicht des „Sex and Relationship“-Workshops findet sich online (British Museum o. J.: o. S.).
  12. Der Workshop wurde als Erweiterung des schulischen Sexualkundeunterrichts konzipiert. Die folgenden Beschreibungen der Rahmenbedingungen und Inhalte des Workshops basieren auf dem Workshopablauf und dem Informationsmaterial, welches neben den freien Mitarbeiter*innen auch Lehrpersonen zur Verfügung gestellt wird, wenn sie das Angebot mit ihrer Klasse besuchen. Das Material wurde von Taina Engineer, Pauline Recke und mir entwickelt und durch Unterstützung von Felicia Rolletschke und Nicola Lauré al-Samarai in einer späteren Phase kritisch reflektiert und erweitert. Das Material für die Lehrpersonen umfasst die Darlegung des diskriminierungskritischen Ansatzes des Workshops, eine Auflistung der Skulpturen, die Gegenstand der Auseinandersetzung sind, sowie die Information, dass der Workshop ohne Beteiligung der Lehrkräfte stattfindet. Diese Handreichung kommt dem Bedarf von Lehrkräften nach, sich vorab einen Überblick über die konkreten Inhalte des Workshops verschaffen zu können, um diese eventuell im Unterricht zu besprechen oder nach dem Workshop noch weiter zu behandeln.
  13. Die Grundhaltung und Methodik, welche die kritischen und partizipativen Kunstvermittlungsformate des lab.Bode informieren, basieren u. a. auf folgenden Diskursen bzw. diskursbildenden Personen: Carmen Mörsch, Nora Sternfeld, Claire Bishop, Irit Rogoff, Ayşe Güleç, Richard Sandell, Grada Kilomba u. v. m. Literatur und weitere Ressourcen sind im erweiterten Literaturverzeichnis am Ende des Beitrags zusammengestellt.
  14. Bei der Namensrunde, wird jede*r gebeten, den ersten Buchstaben des Namens mit einem Begriff aus dem Feld Liebe und Begehren zu kombinieren und laut in die Runde zu sagen, alle anderen wiederholen dann Namen und Begriff: z. B.: „Andrea wie Anfassen.“
  15. Sex-Päd-Regeln: 1) Freiwilligkeit. 2) Vertraulichkeit. 3) Lachen über die Themen ist erlaubt, aber nicht übereinander.
  16. Regeln für den Museumsbesuch: 1) Nicht rennen. 2) Nichts anfassen. 3) Relativ ruhig sein.
  17. Die Erfahrung in sexualpädagogischen Angeboten zeigt, dass es Jugendlichen leichter fällt, sich Themen rund um Sexualität zu öffnen, wenn Workshops ohne Lehrer*innen oder nahe erwachsene Bezugspersonen, die sie in ihrem Alltag begleiten, stattfinden. Deshalb hat sich lab.Bode dazu entschieden, die Workshops im Bode-Museum ohne Begleitung von Lehrkräften durchzuführen. Gleichzeitig werden die Lehrer*innen gebeten, das Museum nicht zu verlassen und als Anlaufstelle zur Verfügung zu stehen, falls eine Person den Workshop verlassen möchte.
  18. Im Gegensatz zu anderen Workshopformaten im Bode-Museum, welche mit max. Gruppengrößen von 25 bis 30 Teilnehmer*innenzahlen arbeiten.
  19. Ein Kondometer ist ein Kondommaßband, das Personen bei der Wahl der richtigen Kondome unterstützt.
  20. Z. B. stark, schön, sanft, grazil, energisch, mutig.
  21. Die Fokusgruppe besteht aus Expert*innen und Praktiker*innen verschiedener Disziplinen: darunter Taina Engineer (Sexualpädagogin) und Pauline Recke (Künstlerin, Illustratorin und Kunstvermittlerin), welche die erste Workshopversion gemeinsam konzipiert haben; Felicia Rolletschke (Sexualpädagogin und Transaktivistin), die als Workshopleiter*in „Let’s Talk about Sex!“ regelmäßig durchführt und immer wieder beratend fürs Programm tätig ist; Nicola Lauré al-Samarai (Geschichts- und Kulturwissenschaftlerin), die von Anfang an kritische intersektionale Beraterin und Workshopleiter*in von „Let’s Talk about Sex!“ ist; seit kurzem ist zusätzlich Karen Grunow als kunsthistorische Beraterin des Teams Teil der Gruppe, sie ist Kunsthistorikerin und langjährige freischaffende Kunstvermittlerin im Bode-Museum.
  22. Die Programmlaufzeit von lab.Bode endet voraussichtlich zum 31.12.2020. Zurzeit wird an einem didaktischen Material gearbeitet, welches Besucher*innen bei ihrem Ausstellungsbesuch mitnehmen und nutzen können. Diese „Toolbox“ wird alle Stationen und Kernaspekte des Vermittlungsworkshops beinhalten und diese um handlungsbasierte Aufgabenkarten erweitern. Geplant sind neben Comics, Fragenkarten, Bewegungs- und „Pose“-Anleitungen u. a. auch ein Lust & Begehren-Kreuzworträtsel und eine Origami-Vulva-Faltanleitung.
  23. Siehe dazu auch die ergänzende Literatur und Materialien am Ende dieses Beitrags.
Literaturverzeichnis

British Museum (o. J.): Relationship and Sexual Health Education. Online unter: www.britishmuseum.org/learn/schools/ages-14-16/school-workshop-relationship-and-sexual-health-education [Zugriff: 04.04.2020]

Debus, Katharina/Laumann, Vivien (Hg.) (2018): Pädagogik geschlechtlicher, amouröser und sexueller Vielfalt. Zwischen Sensibilisierung und Empowerment. Berlin: Eigenverlag: Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V.

Hartmann, Jutta (2018): Jugendbildung queer(en) – Zur Relevanz einer heteronormativitätskritischen Pädagogik. In: Busche, Mart/Hartmann, Jutta/Nettke, Tobias/Streib-Brzič, Uli (Hg.): Heteronormativitätskritische Jugendbildung. Reflexionen am Beispiel eines museumspädagogischen Modellprojekts. Bielefeld: transcript, S. 19–48.

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Master Museumsmanagement und -Kommunikation (2018): Tagung VieL*Bar. Online unter: https://mmk.htw-berlin.de/aktivitaeten/tagungen/vielbar [Zugriff: 30.12.2019]

Kulturstiftung des Bundes (o. J.): lab.Bode – Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen. Online unter: www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/erbe_und_vermittlung/detail/labbode.html [Zugriff: 27.12.19]

lab.Bodea – Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen (o. J.): Menschenbilder – eine Trickfilmwerkstatt im Bode-Museum. Online unter: www.lab-bode.de/schulprogramm/schulprojekte/menschenbilder-–-eine-trickfilmwekstatt-im-bode-museum [Zugriff: 15.04.2020]

lab.Bodeb – Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen (o. J.): Periodensystem Kunst. Online unter: www.lab-bode.de/schulprogramm/schulprojekte/periodensystem-kunst/ [Zugriff: 15.04.2020]

Nettke, Tobias (2018): Museen als Bildungsorte – Queere Inhalte auf dem Weg ins Museum. In: Busche, Mart/Hartmann, Jutta/Nettke, Tobias/Streib-Brzič, Uli (Hg.): Heteronormativitätskritische Jugendbildung. Reflexionen am Beispiel eines museumspädagogischen Modellprojekts. Bielefeld: transcript, S. 49–68.

Sandell, Richard (Hg.) (2002): Museums, Society, Inequality. London u. New York: Routledge.

Staatliche Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz (o. J.): Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst. Online unter: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/skulpturensammlung/home/ [Zugriff: 27.12.19]

Transfer für Bildung e.V. (2018): Interview mit Christine Riegel zu ihrer Forschung zu Othering in der diskriminierungskritischen Bildungsarbeit. Online unter: www.transfer-politische-bildung.de/mitteilung/artikel/es-geht-darum-macht-und-herrschaftsverhaeltnisse-zu-hinterfragen-interview-mit-christine-ri [Zugriff: 04.04.2020]

Wikipedia (2020): Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwillige_Selbstkontrolle_der_Filmwirtschaft [Zugriff 03.04.2020]

 

Erweitertes Literaturverzeichnis

Zu kritischer Kunst- und Kulturvermittlung

Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste (Hg.) (2009–2012): Zeit für Vermittlung. Online unter: www.kultur-vermittlung.ch/zeit-fuer-vermittlung/v1/?m=0&m2=1&lang=d [Zugriff: 06.04.2020]

Janes, Robert/Sandell, Richard (Hg.) (2019): Museum Activism. London u. New York: Routledge.

Kilomba, Grada (2015): Decolonizing Knowledge. Lecture Performance. Online unter: https://www.adkdw.org/de/article/937_decolonizing_knowledge [Zugriff: 06.04.2020]

Kilomba, Grada (2016): Wenn Diskurs persönlich wird. Online unter: www.missy-magazine.de/blog/2016/04/22/grada-kilomba-wenn-diskurs-persoenlich-wird/ [Zugriff: 06.04.2020]

Manifesta Foundation (Hg.): Manifesta Workbook – An Art Mediation Resource. Online unter: www.workbook.manifesta.org/contents.html [Zugriff: 06.04.2020]

Mörsch, Carmen/Forschungsteam documenta 12 Vermittlung (Hg.) (2009): Kunstvermittlung 2: Zwischen kritischer Praxis und Dienstleistung auf der documenta 12. Zürich: Diaphanes.

Mörsch, Carmen/Schade, Sigrid/Vögele, Sophie (Hg.) (2017): Kunstvermittlung zeigen: Über die Repräsentation pädagogischer Arbeit im Kunstfeld. Wien: zaglossus.

Sandell, Richard/ Nightingale, Eithne (Hg.) (2012): Museums, Equality and Social Justice. London u. New York: Routledge.

Sandell, Richard (2017): Museums, Moralities and Human Rights. London u. New York: Routledge.

Sternfeld, Nora (2018): Das radikaldemokratische Museum. Berlin: De Gruyter.

Zu antidiskriminierender Bildungsarbeit mit Schwerpunkt Sexualität und Geschlecht

Corinne, Tee (o. J.): Cunt Coloring Book. o. O.: o. V.

Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. (o. J.): Projekt „Interventionen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“. Online unter: https://interventionen.dissens.de/materialien/handreichung [Zugriff: 06.04.2020]

IFMGZ HOLLA e.V. (Hg.) (o. J.): Mythos Jungfernhäutchen. Köln: o. V.

Läuger, Alica (2019): „da unten“. Über Vulven und Sexualität. Ein Aufklärungscomic. Münster: UnRast.

Méritt, Laura (Hg.) (2012): Frauenkörper neu gesehen. Berlin: Orlanda.

Schaal, Sonja/Schaal, Steffen (2019): Schatzkiste Ich. Schülerheft. Sexualpädagogisches Material für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Hannover: Friedrich Verlag.

Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung (Hg.) (2016): LSBTI-Geschichte entdecken! Leitfaden für Archive und Bibliotheken zur Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen. Berlin: o. V. Online unter: https://www.berlin.de/sen/lads/schwerpunkte/lsbti/materialien/schriftenreihe/ [Zugriff: 06.04.2020]

Melany Rose, Chloe Cooper und Gareth Esson, British Museum

Let’s talk about sex – Teaching contemporary sex education using historical objects at the British Museum

Bitte zuerst die Cookies akzeptieren um externe Videos zu laden.
Jetzt akzeptieren

The British Museum’s relationships and sex education workshops aim to confront the past, provoke the present and defy the white-supremacist, heteronormative patriarchy! Developed by artist Chloe Cooper and Education Manager Melany Rose, these sessions use objects within the permanent collection to teach participants about sexualities and gender identities across cultures and throughout time. The most recent focus has been on objects which connect pre-colonial and post-colonial ideas of sexuality and gender. Working with Sexual Health, Relationships and Wellbeing Education Consultant Gareth Esson.

(the recording of this talk is in English without subtitles)

Melany Rose, Chloe Cooper und Gareth Esson, British Museum
Set #8: Diversität
3. November 2020

Upcoming: „Let’s Talk about Sex and Art!“ Methoden-Kit

© lab.Bode, 2020

Dieses Sex Education Methoden-Kit führt mit einem besonderen Fokus durchs Bode-Museum. Es basiert auf dem gleichnamigen Workshopformat „Let’s Talk about Sex and Art!“, in welchem Jugendliche gemeinsam mit Sexualpädagog*innen und Kunstvermittler*innen vielfältige Darstellungen von Gender, Körpern und Sexualitäten in der Skulpturensammlung des Bode-Museums ausfindig machten und daran anknüpfende Themen wie Körperbilder, Konsens und LSBTIQA+ besprochen und diskutiert haben. Diese Themen wurden in neun Stationen zusammengetragen und bieten Aufgaben und Informationen rund um sexuelle Bildung und Aufklärung als auch zu ausgewählten Skulpturen der Sammlung des Bode-Museums.

UPCOMING Stationen:

VORSPIEL

GENDER (UND PERFORMANCE)

HYMEN / SEX-SHAMING

KONSENS?!

NICHT-KONSENS

KÖRPER(BILDER)

LUST UND BEGEHREN:

LUST IST DIVERS!

COMING OUT

SEXY LYRIK

VIVA LA VULVA!

NACHSPIEL